Into the Fire – Berichte aus Kriegs- und  Krisengebieten

Autor: Enno Lenze
ISBN: 978-3-95723-192-5

Verfügbarkeit: erscheint am 18. Oktober 2023
Umfang: 372 Seiten, 190mm x 125mm, Taschenbuch, 550g
Abbildungen: 112
Preis: 20 €

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Auch als E-Book in allen gängigen Shops verfügbar.

 

 

Enno Lenze, Chef des Berlin Story Bunkers, war auf dem Weg nach Butscha, als dieser Ort noch nicht als Synonym für russische Kriegsverbrechen galt. Er berichtet von der Front aus der Ukraine, vom Kampf gegen den IS in der Autonomen Region Kurdistan, von den Taliban in Afghanistan, von Tränengasangriffen auf Studenten Hongkong. Waffenmessen in Paris und Dubai sind ebenso sein Thema wie der versuchte Sturm der Reichsbürger auf den Bundestag.

Paul Ronzheimer, Kriegsreporter, Journalist des Jahres 2022, stellv. Chefredakteur von BILD, lernte Enno Lenze über Kurdistan kennen. Sie trafen sich in der Ukraine und verpassten sich in Afghanistan. Paul Ronzheimer berichtet auch täglich auf Twitter und jede Woche in einem ausführlichen Podcast.

DAS TITELBILD

Das Foto auf dem Cover zeigt Enno Lenze auf der Schnellstraße Richtung Butscha am 2. April 2022, dem Tag, an dem die Russen die Schlacht um Kyiv verloren hatten und abzogen. „Wir kommen vorbei an zerstörten Brücken, sehen durchsiebte zivile Wagen. Manche durchlöchert wie ein Nudelsieb. Hinter den Autos die ersten Leichen. Dann ein Rettungswagen, durchlöchert von Munition und Schrapnellen. In den Autos die Leichen von Männern, Frauen, Kindern. Ein Lada steht entgegen der Fahrtrichtung auf der Straße, dahinter ein Körper. Ein Mensch, der hinter dem Wagen Schutz gesucht hatte, erschossen und dann überrollt wurde. Ich sehe hundert Kilometer russische Kriegsverbrechen. “

Buchbesprechung in Tales from the Mac Hell
https://www.korrupt.biz/8335/buchrezi-into-the-fire-von-enno-lenze/

VORWORT VON PAUL RONZHEIMER

Als ich das erste Mal aus einem Krisengebiet berichtet habe, wunderte ich mich sehr über die Reporter und ihre Geschichten. Es war während der arabischen Revolution in Ägypten, als ich beim Abendessen mit verschiedenen Kriegsreportern zusammensaß. Sie  erzählten sich gegenseitig ihre Heldengeschichten, wer in Afghanistan verletzt wurde oder in Libyen, wo es für sie am krassesten und gefährlichsten gewesen war. Als ich damals als Fünfundzwanzigjähriger den Tisch in Kairo verließ, schwor ich mir eines: So willst du nie werden. Und: Kolleginnen oder Kollegen, die so sind, also lieber stundenlang von ihren eigenen Heldentaten erzählen als über das Land, aus dem sie berichten, wollte ich so gut es irgendwie geht meiden.
Enno Lenze habe ich dagegen als jemanden kennengelernt, der sich tief und ernsthaft für die Orte interessiert, die er bereist und von wo aus er berichtet. So war es auch, als ich ihn im April 2022 in Kyiv traf, knapp anderthalb Monate nach Beginn der russischen Invasion. Es gab damals nicht viele Deutsche, die vor
Ort waren, schon gar nicht Kollegen, die es auf eigene Faust versuchten. Dass er einfach so losgefahren war, weil er mit eigenen Augen sehen wollte, was tat-
sächlich in der Ukraine passiert, brachte Enno den großen Respekt auch der amerikanischen Kollegen ein. „Who is this Enno guy?!“, fragten sie mich. Ja, who
is he? Wer ist er und warum macht er das, was er tut? Es ist die Energie und gleichzeitige Ernsthaftigkeit, die Enno auszeichnet, der Wille, vor Ort zu sein und daraus etwas entstehen zu lassen. Das, was er rund um Kyiv gesehen hatte, führte dazu, dass bald ein russischer Panzer vor der russischen Botschaft in Berlin stand und Medien weltweit darüber berichteten. Enno schafft etwas. Seine Wahrnehmungen und seine Berichte sind äußerst genau, häufig näher dran an Menschen, über die klassische Medien vielleicht gar nicht berichtet hätten. Er geht Themen aus seiner Perspektive an. Eine Perspektive, die insbesondere in den sozialen Medien viele bewegt. Enno hat durch seine
Unabhängigkeit eine Glaubwürdigkeit erlangt, ist zu einem Experten geworden, ohne je offiziell Experte genannt zu werden. Das gilt insbesondere für die Regionen im Nordirak, wo er sich wahrscheinlich besser auskennt als die meisten Korrespondenten, die in den vergangenen Jahren von dort berichtet haben.

Der Krieg in der Ukraine, über den ich schon seit 2014 berichte, hat in mir den Blick auf viele Menschen verändert. Ich kann nur schwer ertragen, dass bei manchen das Interesse so nachlässt, dass diejenigen, die einst ihre Profilbilder gegen eine ukrainische Fahne getauscht haben, nichts mehr von der Ukraine hören
wollen. Mich macht das wütend, traurig, manchmal auch ratlos. Gerade meine Generation müsste doch verstehen, was hier auf dem Spiel steht. Dass Putin ein Volk, ein Land auslöschen will, dass er Kriegsverbrechen begehen lässt, Vergewaltigungen, Erschießungen – das Grauen. Diejenigen, die jetzt meinen, man solle den Russen einen Teil des Landes geben, damit Frieden herrscht, wollen nicht verstehen, dass es Putin um viel mehr geht. Er sagt genau das, was er tut. Er will das Sowjetreich zurück. Und er wird nicht aufhören, bis er gestoppt wird. Enno tut sehr viel dafür, dass nicht vergessen wird, was in der Ukraine, aber auch in ganz Europa auf dem Spiel steht. Und er beweist das mit diesem Buch einmal mehr sehr eindrucksvoll.

Paul Ronzheimer ist stellvertretender Chefredakteur der „Bild“ und „markenübergreifendes journalistisches Gesicht“ der Axel Springer SE, also mit seinen Reportagen und Live-Berichten auch bei „Welt“, „Welt-TV“ und „Politico“ präsent. Seit August 2023 ist sein wöchentlicher Podcast RONZHEIMER zu hören.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ bezeichnete Paul Ronzheimer im Mai 2022 als einen der „weltweit bekanntesten Kriegsreporter.“ Besonders für seine Berichterstattung über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wurde er als Journalist des Jahres 2022 ausgezeichnet.

ÜBER DEN AUTOR

Enno Lenze wurde 1982 in Bochum geboren. Er wuchs in Frankreich, Ruanda und Deutschland auf. Nach seiner Ausbildung zum IT-Systemkaufmann arbeitete er als Systemadministrator für Hochverfügbarkeitssysteme.

Später war er Geschäftsführer des 3Gstore, dem ersten Unternehmen, das iPhones ohne Vertrag in Deutschland anbot. Anschließend organisierte er mit der „Historiale“ das größte Geschichtsfestival Europas, das regelmäßig innovative Formate der niedrigschwelligen Geschichtsvermittlung entwickelte. Viele Jahre betrieb er Souvenirshops in Berlin.

Seit zehn Jahren betreibt Enno Lenze mit dem Berlin Story Bunker einen der wichtigsten Orte moderner Geschichtsvermittlung, den jährlich Hunderttausende internationale Touristen besuchen, aber auch Botschafter, Staatsgäste und Militärs der NATO zur Fortbildung.
Als Berater vermittelt er seinen Erfahrung und Kontakte aus Kriegs- und Krisengebieten an Organisationen und Unternehmen sowie auch zunehmend an Museen.

Sozial engagiert sich Enno Lenze vielfältig im Bereich der Flüchtlingshilfe, Bildung und der Vermittlung der deutschen Geschichte. Er ist regelmäßig selber in Kriegs- und Krisengebieten unterwegs, um von dort zu berichten, aber auch, um dort eigene Hilfsprojekte durchzuführen.

INHALT

Vorwort von Paul Ronzheimer

1 Into the Fire

2 Geiselbefreiung | Die Geschichte hinter der Geschichte

3 Geschichten, die erzählt werden müssen
Warum ich aus Kriegs- und Krisenregionen berichte
2018/2019

4 Wie konnte es geschehen? | Der Museumsbunker in Berlin
2017

5 Praktikum im Krisengebiet | Zurück in Kurdistan
September 2019

6 Können Panzer Frieden schaffen? | Auf Waffenmessen
Juni 2018/Februar 2019

7 Ausnahmezustand | Die Proteste in Hongkong
November 2019

8 „Mossul ist sicher“ | Bei den schiitischen Milizen
Januar 2020

9 Und plötzlich: Corona | Stillstand und Straßenkämpfe
Sommer 2020

10 Wiedersehen in Erbil | Zurück in Kurdistan
Dezember 2020/Januar 2021

11 Franziskus in Kurdistan
Der Papstbesuch und die Hoffnung auf Frieden
Februar/März 2021

12 Zum Impfen nach Moskau
Von russischen Quellen und Invasionsplänen
April 2021

13 Kabul: Rette sich, wer darf | Die Machtübernahme der Taliban
September 2021

14 Training in Dubai | Gepanzerte Autos sicher fahren
September 2021

15 Roadtrip nach Kabul | Reise durch ein erobertes Land
September 2021

16 Die Rückkehr der Kurden aus Belarus
Putins durchsichtiges Manöver
November 2021

17 „Es wird keinen Krieg geben“ | Im Donbas
Dezember 2021

18 Bei den Taliban | Noch einmal in Kabul
Januar 2022

19 Krieg in der Ukraine | In Kyiv und Butscha
März/April 2022

20 Luftangriff in Charkiv | Kriegsalltag in der Ukraine
Mai 2022

21 Panzer Unter den Linden
Eine Installation gegen Kriegsverbrechen
Februar 2023

22 „Sie wollen unser Leben zerstören“
In Saporischschja und Yahidne
Juni 2023

23 „Bleibst du oder geht es weiter?“

24 Fluchtversuch nach Europa | Aras und Ali

September 2023

 

AUSZUG KAPITEL 1

Mitten in der Nacht klopft es an meiner Tür. Spettro kommt herein, in voller Montur. An seiner Seite hängt das M4-Sturmgewehr, an der Brust eine Glock und sechs Magazine für das M4. Am Helm kann ich im Gegenlicht das Nachtsichtgerät erkennen. „Bro! We’re going into the fire. Your chance.“ („Bruder! Wir gehen ins Feuer.
Deine Chance.“) Wenn der Ausbilder der Peschmerga-Spezialeinheit in Hörweite der Front zum Islamischen Staat das sagt, fragt man sich: Die Chance auf was? Auf die beste Story deines Lebens? Oder auf die letzte?
Wir haben unser Quartier in einem eingestürzten Haus in Raketenreichweite des IS aufgeschlagen. Die stabile schusssichere Weste und einen Helm habe ich immer in meiner unmittelbaren Nähe, auch wenn ich schlafe. Im besten Fall kann man sich blitzschnell auf die Weste rollen, sie über den Kopf klappen und sich den Helm aufsetzen.
Genau das tue ich jetzt. Die Kamera mit dem lichtstarken Objektiv liegt bereit, zwei Akkus stecken in der Gürteltasche. Am Gürtel sind ein Liter Wasser und das Medikit befestigt, um im Notfall eine Schussverletzung versorgen zu können. Dinge, deren Handhabung man blind trainiert, in der Hoffnung, sie nie zu brauchen. Ich hatte mir nie große Gedanken darüber gemacht, bis zu dieser Nacht. An sich ist der IS doch vertrieben. An sich soll es hier ruhig sein. Aber in der Realität sieht das anders aus…