• Autor: Enno Lenze
  • ISBN: ISBN 978-3-95723-208-3
    Verfügbarkeit: liefebar
    Umfang: 132 pages, 52 farbige Abbildungen 19 x 12,5cm,
    Preis: 16,00 €

Know Your Enemy

Wie der Drohnenkrieg die Ukraine – und die Kriegsführung der Zukunft – verändert hat

Der Krieg in der Ukraine ist der erste Drohnenkrieg der Geschichte. Enno Lenze erklärt in „Know Your Enemy“, wie aus dem klassischen Bewegungskrieg mit Panzerkolonnen ein Krieg der Funkfrequenzen, Jammer und Schwärme wurde – und warum das jeden in Europa etwas angeht. Ausgangspunkt ist seine eigene Geschichte: ein Anruf von einem Freund, mit in die Ukraine zu kommen, bringt ihn auf ein Thema, das ihn seither nicht mehr loslässt.

Lenze seziert das Drohnenschlachtfeld bis auf die Platine: die Molnia, eine Kamikazedrohne für rund 10 Euro pro Einsatz, die Aufklärungsdrohne Zala für 100.000 Euro, Jammer und Scanner als unsichtbarer Krieg auf allen Frequenzen, das Mesh-Netzwerk der Shahed-Drohnen – und die überraschende Rolle, die US-amerikanische Chips dabei spielen, auch in geheimen russischen FSB-Funkgeräten. Er zeigt, dass diese Technik trotz Sanktionen ihren Weg nach Russland findet, wie Nvidia-KI im Feld eingesetzt wird und wie viel davon im Baumarkt beginnt.

Grundlage sind mehr als 30 russische Drohnen, die Lenze im Berlin Story Bunker analysiert hat – der Nachweis westlicher Technologie in fast jeder größeren Drohne. „Know Your Enemy“ ist ein Buch für alle, die verstehen wollen, wie dieser Krieg tatsächlich geführt wird – und was er für die Verteidigungsfähigkeit Europas bedeutet. Erscheint auf Deutsch und Englisch, mit über 30 ausgestellten Originaldrohnen im Ukraine-Museum

German, Englisch und – Ukrainian free of charge

 

EINLEITUNG

„Ich muss morgen nach Kyiv, kommst du mit?“
Der Anruf kommt an einem gewöhnlichen Berliner Abend im März 2022. Am anderen Ende Fidelis Cloer, ein Unternehmer, der seit drei Jahrzehnten gepanzerte Fahrzeuge baut, verkauft, versteht. Krisengebiete sind für mich kein Neuland – zwischen 2014 und 2016 war ich immer wieder an der Front in Kurdistan-Irak, mit den kurdischen Peschmerga im Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Ich war in Kabul, kurz nachdem der Westen abgezogen war. Ich war in Hongkong, als 2019 die Proteste eskalierten. Ich weiß, wie sich Gefahr anfühlt, wie man packt, worauf man achtet. Was ich nicht habe, ist eine Ahnung von moderner Kriegstechnik – von dem, was in diesem Krieg vom Himmel kommt und Kilometer entfernt gesteuert wird. Das wird sich ändern, aber das weiß ich in diesem Moment noch nicht. Die Frage, ob ich mitkomme, ist trotzdem keine, über die man lange nachdenkt. Man packt.
Am nächsten Morgen liegt mehr Schutzausrüstung im Kofferraum als Kleidung. Westen, Helme – nicht nur für uns, auch für Kollegen vor Ort, die es aus irgendeinem Grund ohne versucht hatten. Elf Stunden von Berlin bis Lviv in der Ukraine, sagt der Routenplaner. Die Autobahn bis zur polnisch-ukrainischen Grenze ist so leer und unspannend, wie Autobahnen eben sind. Erst an der Grenze wird spürbar, dass die Welt gerade kippt.

Auf unserer Spur: Pressefahrzeuge, Rettungswagen. Auf der Gegenspur: Menschen. Kleine Gruppen, meist Mütter mit Kindern, von ukrainischen Grenzschützern bis zur Linie begleitet und dort an polnische Kollegen übergeben, die Suppe reichen und auf Busse verweisen. Ein alter Mann, der kaum laufen kann, wird von einer Hand in die nächste gereicht, bis er sicher ist.
Der Grenzübertritt selbst dauert eine Stunde – schnell, für diese Situation. Um 21:30 Uhr, dreißig Minuten vor der Ausgangssperre, erreichen wir Lviv. Ich habe mir vorher eine App installiert, die vor Luftangriffen warnen soll. Sie schlägt Alarm, kaum dass wir das Zimmer betreten. Die Sirenen der Stadt heulen dazu. Niemand rennt. Niemand bewegt sich. Man gewöhnt sich an alles, stelle ich in diesem Moment wieder mal fest.
Wir schlafen angezogen. Die Diskussion, ob man die Schuhe anlässt, führt man nur einmal – danach weiß man es einfach. Man zieht sie aus. Schusssichere Weste und Helm liegen so, dass man sie im Dunkeln greifen kann, ohne hinzusehen. In Lviv, stellt sich später heraus, wäre das zu dieser Zeit nicht nötig gewesen. In anderen Städten, zu anderen Zeiten, würden genau diese Sekunden entscheiden. Im Sommer 2026 liegt die Vorwarnzeit vor ballistischen Raketen in Kyiv bei einer Minute – bis dahin müsste man es aus dem Bett bis in die tiefe Metro geschafft haben.

 

EINLEITUNG  7

Kapitel 01
Wie aus dem Bewegungskrieg der Drohnenkrieg wurde

Kapitel 02
Von der Ukraine nach Berlin

Kapitel 03

Der Anruf bei einem Freund

Kapitel 04
US-Chips in iranischen Drohnen

Das Drohnenschlachtfeld

Kapitel 06

Molnia-Drohne: 10 € pro Mord

Kapitel 07

Die Funktechnik der Drohnen

Kapitel 08

Jammer – der Drohnenstörsender

Kapitel 09

Scanner – Krieg auf allen Frequenzen

Kapitel 10

Das Mesh-Modem der Shahed

Kapitel 11

US-Chips in geheimen FSB-Funkgeräten

Kapitel 12

Wie kommen die US-Chips nach Russland

Kapitel 13

Künstliche Intelligenz von Nvidia im Feld

Kapitel 14

Sanktionen wirken – haben aber keinen Erfolg

Kapitel 15

Baumarkt-Technik im Krieg

Kapitel 16

Wen wir erreichen

Kapitel 17

Das Museum als Archiv

Kapitel 18

Was diese Kriegsführung für Europa bedeutet

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