• Autor: Wieland Giebel
  • ISBN: ISBN 978-3-95723-210-6
    Verfügbarkeit: lieferbar
    Umfang: 264 Seiten, 19 x 12,5cm,
    Preis: 16,00 €

Die Schlacht um Kyiv – Wie es eigentlich war – Konsequenzen für Europa

Am Morgen des 24. Februar 2022 landen russische Fallschirmjäger am Flughafen Hostomel vor den Toren Kyivs. Ein Blitzangriff, geplant für drei Tage, soll die ukrainische Hauptstadt zu Fall bringen und die Regierung stürzen. Es kommt anders. Wieland Giebel erzählt in „Die Schlacht um Kyiv“, wie ukrainische Soldaten, Nationalgardisten und Zivilisten in den entscheidenden Tagen des Krieges eine der größten Militärmächte der Welt aufhalten – am Flughafen Hostomel, am Staudamm von Kosarowytschi, in den nördlichen Zangenbewegungen auf Kyiv und im erbitterten Überlebenskampf um Irpin.

Grundlage sind 50 Interviews, die der Autor 2025 und 2026 in der Ukraine geführt hat – mit Soldaten, Kommandeuren und Augenzeugen. Entstanden ist keine akademische Aufarbeitung, sondern eine dicht erzählte, faktengesättigte Rekonstruktion jener Tage, die über das militärische Geschehen hinausgeht: Sie fragt, warum die zivile Resilienz der Ukraine so tief griff, warum westliche Geheimdienstwarnungen ignoriert wurden – und was das für ein Europa bedeutet, das lange geglaubt hat, ein Angriffskrieg auf seinem Kontinent sei undenkbar.

Auf dem Cover: Serhii Falatyuk, Soldat der Nationalgarde, der in der Schlacht um Kyiv den entscheidenden ersten russischen Kampfhubschrauber abschoss.

Aufgeben ist keine Option

Erscheint auf Deutsch, Englisch und – kostenfrei auf Ukrainisch.

INHALT und VORWORT

 

TEIL I: DIE MILITÄRISCHE ABWEHR  13
KAPITEL 1: Hostomel – Der erste Tag der Invasion  13

I Prolog: Die noble Lüge  13

II Fünf Uhr: Der Alarm im Morgengrauen  16

III Halb elf: Die Helikopter am Himmel  17

IV Der Abschuss durch Falatyuk  19
V Die psychologische Wende der „Bürokräfte“  22

VI Der Rückzug und die Aufklärung  23

VII Die fünfstündige Fahrt des Grenzschützers 27

VIII Halb neun: Volodymyr Smus und die Evakuierung der „Mrija“  29

IX Maria, die Sicherheitskommandantin  31

X Der Bunker und die Geiselnahme  34

XI Die Blockade der Luftbrücke am 24. Februar 2022  36

XII Der Marsch aus dem Westen  38

XIII Der 25. Februar 2022  41

XIV Die Pion-Artillerie und digitale Zielaufklärung 44

XV Nach dem Triumph von Hostomel: Das Schicksal der Zeitzeugen 46

 

KAPITEL 2: Der Damm von Kosarowytschi  50

I Das physikalische Dilemma des Damms 50

II Der Elektriker und die Folterknechte  52

III Die Berechnung der Sprengung  54

IV Die Nacht vom 7. auf den 8. März  55

V Die erste Sprengung (fünf Uhr neunundzwanzig)  57

VI Die zweite Sprengung unter Feuer (sieben Uhr) 59

VII Die Flut und das Ende der Kolonnen  61

 

KAPITEL 3: Die nördlichen Zangen 64

I. Die offene Flanke Kyivs und das Versagen der Grenzverteidigung  64

II Die zwei Zangen des Nordens: Routen und Kräfteverhältnisse 68

1. Die westliche Zange: Logistischer Zusammenbruch (Tschernobyl-Achse)  68

2. Die östliche Zange: Das Desaster von Skybyn (Brovary-Achse)  69

III Der Hinterhalt von Skybyn: Die 13 gegen die Panzerkolonne  70

IV Die Stugna-Abgeordnete: Tetjana Tschornowol  75

V Die Volksverteidigung von Tschernihiw  76

VI. Exkurs: Yahidne  78

VII Das Komplott gegen Selenskyj  81

 

KAPITEL 4: Der Überlebenskampf von Irpin  82

I Die Trümmer der Romanivka-Brücke  82

II Die Großschlacht an der Glasfabrik  83

III. Die Selbstorganisation an der „Giraffe“  85

IV Kyrylos letzter Einsatz  88

V Colonel Volodymyrs Entwässerungsrohr  91

VI Der General des Militärgeheimdienstes im Schützengraben . 93

VII Die Professoren mit dem Museumspanzer (Gruppe Adam)  96

 

WIE ES ZU DIESEM BUCH KAM 99

DER DIALOG MIT DER FACHLITERATUR 101

Die internationale Referenz: Der wissenschaftliche Flankenschutz  103

Zusammenfassung: Die hundert Helden, die Kyiv retteten  104

 

TEIL II: DIE STRATEGISCHE ANALYSE  107

KAPITEL 5: Die Rationalitätsfalle und das Chaos der ersten Stunden  107

I Was der Westen bereits wusste  107

II Was die CIA wusste  109

III. Das Selenskyj-Dilemma 113

IV Eine historische Konstante: Wenn Logik blind macht  117

V Die Warnung an Robert Habeck  119

VI Der Viasat-Hack und seine Folgen in Deutschland  122

VII. Der Mariupol-Auftritt von Selenskyj (16. Februar 2022) . 124

 

VIII Die letzten 48 Stunden vor der Invasion  126

IX Matthew Chance (CNN) in Hostomel  128

X Die Auswertung der Twitter-Accounts  130

XI Der unternehmerische Neustart: Ein persönlicher Essay  132

 

KAPITEL 6: Das menschliche Fundament der Resilienz  134

I Hanna Maljar im Generalstab  134

II Roman Sukhan, Kriegsreporter im Irpin-Tal 136

III Die Familie Palii zwischen Kyiv und Berlin  137

IV Die ukrainische Gemeinschaft in Berlin  139

V Die drei Frauen im Containerdorf von Hostomel  142

VI Die Frauen von „Veteranka“ 144

VII Stimmen aus dem Donbas  145

VIII Anatolii Dyl: Private Katastrophenvorsorge  151

IX Die Himmelsjäger von Proziw  155

X Dyls Bilanz: Die Prinzipien der Selbstorganisation  158

XI. Fazit  161

 

KAPITEL 7: Wirtschaftliche Kollateralschäden  163

I Vetropack Hostomel: Glasfabrik in Gefahr  163

II Die systematische Zerstörung der Nahrungsmittelsicherheit  167

III Tiefkühllager: Die 50.000-Tonnen-Katastrophe von Kwitnewe  169

IV Die Zerstörung von Good Wine  171

V Wie die Software den Hunger besiegte  172

VI Die Lektion für Deutschland: Vom „Just-in-Time“ zum „Just-in-Case“ 173

 

KAPITEL 8: Systemversagen und Lügen auf russischer Seite  177

I Lawrows Isolation und Putins „Drei Berater“  177

II Der FSB-Betrug: Korruption und Lügen  179

III Das logistische Desaster: Rasputiza und die „Wegwerf-Reifen“ 182

IV Das Krypto-Eigentor: Wie die Russen ihr Handy-Netz zerstörten 183

V Der psychologische Antrieb: Putins Ego und Kaesers Analyse  185

VI Der Realitätscheck: Wie stark ist Russland wirklich? 187

 

KAPITEL 9: Täuschung und diplomatische Naivität  191

I Schoigu, Lawrow und die Kriegslügen vor der Invasion  191

II. Das gebrochene „Offiziersehrenwort“: Der belarussische Verrat 193

III Die NATO-Beschwichtigungspolitik im Rückblick 194

IV Die deutsche Naivität: Der evakuierte Geheimdienstchef  195

V Georg Restle und die WDR-Desinformation zu Butscha  196

VI. Maischberger: Hybride Kriegsführung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk  198

VII Interview mit Botschafter Netschajew Unter den Linden  200

VIII Deutsche Kreml-Versteher: Wagenknecht, Weidel, van Aken  201

 

TEIL III: DIE LEHREN FÜR EUROPA  205

KAPITEL 10: Die Konsequenzen für Europa  205

I Der Vorfall im Berlin Story Bunker  206

II „Es bleiben Euch nur wenige Stunden“  212

III Deutschland im Dornröschenschlaf: Die Blindheit der Institutionen  214

IV Die hybride Front in Deutschland  229

V Der innere Feind: Verrat oder Nebel des Krieges?  230

VI Das Gegenbeispiel der zivilen Logistik  232

VII Berlin im Ernstfall: Bunker, Sirenen und Chlor-Tabletten  234

Die historische Analogie: Die französische Résistance und das Megafeuer von Lacanau 237

IX Ein Plädoyer für den produktiven Ungehorsam  239

 

DANKSAGUNG: MEIN DANK AN DIE ZEUGEN DES WIDERSTANDS  242

QUELLEN  246

ÜBER DEN AUTOR  248

PERSONEN IM BUCH  251

Deutsche Namen  251
Ukrainische Namen mit Erläuterung  252
Weitere Nationalitäten  255

 

 

VORWORT

„Im Mai gibt es wieder Schaschlik, dann grillen wir wieder.“ Mit diesen Worten versuchte Präsident Wolodymyr Selenskyj wenige Wochen vor der russischen Invasion, seine Bevölkerung zu beruhigen. Er untersagte dem Militär sichtbare Vorbereitungen zur Abwehr und wies die präzisen Warnungen der CIA zurück. Ein Großangriff Putins galt in Kyiv wie in Westeuropa als abwegig, geradezu als strategischer Selbstmord. Das war die Rationalitätsfalle: der Versuch, einen irrationalen Diktator mit den Maßstäben der eigenen Vernunft zu messen.
Als die Katastrophe am 24. Februar 2022 dennoch hereinbrach, reagierte Selenskyj radikal. Noch am selben Morgen rief er das Kriegsrecht aus und ließ landesweit über 100.000 Waffen an die Bevölkerung verteilen – ein Schritt, der in jedem anderen Staat als staatstheoretischer Selbstmord gegolten hätte. Er gab das staatliche Gewaltmonopol auf und vertraute stattdessen auf sein Volk. Die politische Elite hatte versucht, das Land durch Schweigen zu schonen; es war die Bevölkerung selbst, die den Untergang mit purer Improvisation verhinderte. Die Ukraine überlebte nicht dank ihres Systems. Sie überlebte, weil mündige Bürger und einfache Soldaten den Mut aufbrachten, den Anweisungen ihrer eigenen Führung zu widersprechen.
Dieses Buch ist das Protokoll jener Menschen, die nicht auf Befehle gewartet haben. Der 25-jährige Nationalgardist Serhij Falatyuk etwa schoss am Flughafen Hostomel entgegen ausdrücklichem Befehl einen russischen Kampfhubschrauber ab und blockierte damit den geplanten Brückenkopf der russischen Elite-Luftlandetruppen. Der Elektriker Mykola Pawljuk wusste nach 26 Dienstjahren am Kosarowytschi-Damm genau, an welcher Stelle er ihn sprengen lassen musste – er flutete einen ganzen Landstrich und ließ die Invasoren im Schlamm stecken. Beide bewiesen dasselbe Prinzip: Resilienz ist die Fähigkeit, ohne Erlaubnis das Richtige zu tun. In diesen Stunden entstand eine dezentrale Verteidigung, deren entschlossenes Zusammenwirken die starre russische Befehlshierarchie zum Kollabieren brachte.
Dieses Buch beruht im Kern auf mehr als 50 Interviews: 30 davon führte ich 2025 quer durch die Ukraine, 20 weitere 2026 ausschließlich zu Hostomel und den ersten Tagen des Krieges.
Die Ukraine liefert das drängendste Beispiel dafür, worauf sich westliche Gesellschaften einstellen müssen. Wie aber sähe eine solche Abwehr in Deutschland und Europa aus? Sind wir auf eine Auseinandersetzung mit Russland vorbereitet, und was lässt sich aus der ukrainischen Erfahrung lernen? Die Ukraine überlebte, weil ihre Zivilgesellschaft dezentrale Netzwerke aktivierte und selbst die Initiative ergriff. In Deutschland dagegen verharren Politik, Militär und Verwaltung in einem kollektiven Dornröschenschlaf – programmiert auf die Verwaltung des Friedens, nicht auf die Logistik des Überlebens. Es ist ein tiefes ethisches wie organisatorisches Vakuum.
Wie tief, wurde mir klar, als eine Gruppe Soldaten den Berlin Story Bunker besuchte. Sie sollten später der Panzerbrigade 45 „Litauen“ der Bundeswehr angehören – jener NATO-Brigade, die an der Ostflanke abschrecken und verteidigen soll. Was ich bei diesem Besuch erlebte, ließ mich fassungslos zurück: eine Truppe, die weder den Ernst ihres Auftrags noch die Realität des Krieges vor ihrer eigenen Haustür begriffen zu haben schien. Mündigkeit ist kein Skill aus einem Workshop. Sie ist ein Entschluss – mehr dazu in Kapitel 10.
Das eigentliche Rückgrat der Verteidigung ist keine Hardware, sondern konstruktive Eigeninitiative und wehrhaftes Bürgerengagement. Die Zeitenwende und das Hundert-Milliarden-Sondervermögen dürfen sich nicht allein in Panzern bemessen. Ohne die mentale Widerstandskraft und die ethische Klarheit eines mündigen Volkes bleibt jede militärische Planung ein leeres Gerüst.
Wir suchen unsere Antworten meist in der materiellen Welt, in Dingen, die sich messen, optimieren und anfassen lassen. Dieses Buch lädt zu einer anderen Reise ein: zur Quelle jeder echten Veränderung, dem menschlichen Geist. Denn bevor etwas in der physischen Welt Realität wird, muss es zuerst gedacht werden. Kyiv hielt, weil seine Menschen nicht auf den Staat gewartet haben.