Das mathematische Berlin
Historische Spuren und aktuelle Szene
ISBN 978-3-86368-013-8erschienen Mai 2011 Zum Buch...
Mathematisches Feuilleton. Das Berliner Hausnummern-System.Bummelt man von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aus den Kurfürstendamm in Richtung Westen entlang und wirft dabei einen Blick auf die Hausnummern, so kann man eine echte Berliner Kuriosität entdecken. Auf der rechten Seite zählen die Hausnummern die Straße hinauf, am Rathenauplatz wechseln sie die Straßenseite und zählen links zum Ausgangspunkt zurück. Da dieses Hufeisensystem außerhalb der deutschen Hauptstadt eher selten vorkommt, wirkt es zunächst einmal auf jeden Touristen verwirrend. Mathematische Ästhetiker unter den Besuchern freuen sich dagegen, wenn sie erkennen, dass auf diese Weise die Quersumme der Hausnummern (quer über die Straße addiert) stets die gleiche bleibt. Eingeführt wurde das Prinzip vom preußischen König Friedrich Wilhelm III., der 1799 (als London und Paris längst durchnummeriert waren) seine Untertanen anwies, ihre Häuser auf diese Art und Weise entlang den Straßen zu kennzeichnen. Um das Hausnummernsystem in Berlin noch komplizierter zu machen, existiert parallel dazu auch das Zickzack-Prinzip, bei dem die Hausnummern aufsteigend auf der linken Straßenseite ungerade und auf der rechten gerade sind. Dieses deutschlandweit gängige Schema wurde in Berlin in den 1920er Jahren eingeführt, ohne das alte aufzugeben. An der berühmtesten Straßenkreuzung in Mitte stoßen beide Systeme aufeinander: Die Friedrichstraße ist nach dem Hufeisenprinzip nummeriert, die Straße Unter den Linden nach dem Zickzackprinzip. Der Prachtboulevard Berlins ist zwar auch eine historische Straße, die Nummerierung wurde jedoch zu DDR-Zeiten geändert. |
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