Das mathematische Berlin
Historische Spuren und aktuelle Szene
ISBN 978-3-86368-013-8erschienen Mai 2011 Zum Buch...
VorwortMathematischer Blick auf Berlin "Die Mathematik ist das Alphabet, mit dem Gott die Welt geschrieben hat." Galileo Galilei Mit diesem Spruch beschrieb der italienische Mathematiker und Naturwissenschaftler Galileo Galilei (1564-1642), dessen Forschungsergebnisse das Weltbild der Menschheit radikal verändert haben, seinen Blick auf das Universum. Berlin ist zwar nur ein winziger Punkt im Weltall, aber mit einem mathematischen Blick lassen sich in der Stadt unzählige Buchstaben dieses Alphabets entdecken. Das vorliegende Buch, das anlässlich des Jahres der Mathematik entstanden ist, entführt Sie auf eine Zeit- und Raumreise durch das mathematische Berlin, bei der Sie weder Zirkel, noch Taschenrechner oder gar algebraische Formeln benötigen. Als Gepäck reichen: Interesse an Geschichte, Wissenschaft, Architektur, Kultur oder Kunst sowie Neugier auf außergewöhnliche Lebensschicksale bemerkenswerter Menschen. Mathematische Aktivitäten im wissenschaftlichen Sinn gab es zur Zeit Galileos noch nicht in Berlin. Da die Stadt in jenen Jahren aber ein wichtiger Verkehrsknoten und Handelsplatz war, wurde gewiss elementare Mathematik eingesetzt: Man wog Getreide, maß Stoffe ab oder zählte Fische, außerdem kalkulierte man Preise und berechnete Gewinne. Die Baumeister werden bereits etwas kompliziertere Mathematik verwendet haben, um Pläne zu entwerfen oder Häuser zu errichten. Die Geschichte der Mathematik begann Jahrtausende früher. Berlin erinnert in Charlottenburg Berlin erinnert in Charlottenburg an Carl Friedrich Gauß. Berlin erinnert in Charlottenburg und in Oberschöneweide an den größten deutschen Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Lange bevor die Menschen die Schrift erfanden, benutzten sie Zahlen und geometrische Muster, um Probleme des Alltags zu lösen. 30 000 Jahre alte Knochenfunde mit eingeritzten Kerben belegen den Umgang der Steinzeitmenschen mit Zahlen; 15 000 Jahre alte Höhlenmalereien geben Zeugnis eines erstaunlichen geometrischen Formensinns. Aus der bei allen Völkern betriebenen Arithmetik und Geometrie entwickelte sich im Laufe der Zeit in den Hochkulturen eine Wissenschaft, die ihren ersten Höhepunkt in der Epoche der antiken griechischen Mathematiker Euklid (365-300 v. Chr.) und Archimedes (287-212 v. Chr.) fand. In den folgenden Jahrhunderten wurde die wissenschaftliche Mathematik nur sporadisch von Chinesen, Indern und Arabern weitergebracht. Vom 15. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich die Entwicklung der Mathematik auf Europa, seit dem 20. Jahrhundert wird sie in allen Teilen der Welt gefördert. Mathematisches Leben im wissenschaftlichen Sinn begann in Berlin im Jahre 1700, als der erste bedeutende deutsche Mathematiker, Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), die Gründung einer Akademie der Wissenschaften bewirkte und ihre Leitung übernahm. Zu dieser Akademie gesellten sich im Laufe der Zeit zahlreiche weitere mathematisch relevante wissenschaftliche Einrichtungen. Viele bedeutende Personen haben in den letzten 300 Jahren unter sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen das mathematische Leben der Stadt geprägt. Heute gehört Berlin zur Weltspitze in der Mathematik. Mit den mathematischen Instituten dreier bedeutender Universitäten, zwei außeruniversitären mathematischen Forschungsinstituten, dem DFG-Forschungszentrum »Matheon« sowie der Graduiertenschule »Berlin Mathematical School« strahlt die Hauptstadt weit über die Landesgrenzen hinaus. Dieses Buch begibt sich auf die Suche nach historischen Spuren von Ereignissen, Orten und Menschen, spannt den Bogen bis zur heutigen Berliner Mathematik und schließt insbesondere auch mathematische Sehenswürdigkeiten mit ein. Einige häufig vorkommende Begriffe benötigen Erklärung. In diesem Buch steht Berlin stets für Groß-Berlin, der Begriff Berlin umfasst also sowohl das mittelalterliche Berlin allein als auch die Orte bei Berlin, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten berlineingemeindet wurden. Nur wenn es inhaltlich notwendig ist, werden detaillierte Ortsbezeichnungen verwendet. Das Wort Akademie wird heute geradezu inflationär verwendet. In diesem Buch wird unter einer Akademie (ohne einen weiteren Zusatz), früher auch Sozietät oder Gelehrtengesellschaft genannt, oder einer Akademie der Wissenschaften eine Vereinigung von Gelehrten mit dem Ziel des wissenschaftlichen Austauschs und der Förderung der Forschung verstanden. Eine Akademie wird meistens staatlich finanziert. Eine Satzung legt die organisatorische Einteilung in Klassen, die Anzahl, die Wahl und den Status der Mitglieder fest. So gibt es unter anderem ordentliche, auswärtige oder korrespondierende Mitglieder. Die Wahl erfolgt auf Lebenszeit und gilt als hohe Auszeichnung. Manche Akademien führen Langzeitprojekte durch oder unterhalten Forschungsinstitute. |
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