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Das Banner des Sieges
ISBN 978-3-929829-91-4
erschienen Mai 2008

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„Ich hisste die Flagge auf dem Reichstag.“ - „Nein ich!“ (Auszug)

Ebenso unübersichtlich und verworren wie die Frage nach der Nähe des Flaggenmotivs zum historischen Ereignis, gestaltet sich die Frage nach den Soldaten, die als erste eine rote Flagge auf dem Reichstag hissten. In feierlichen Veranstaltungen gedachte die Sowjetunion regelmäßig des Endes des „Großen Vaterländischen Krieges“. Anlässlich dieser Veranstaltungen wurde zur Veranschaulichung des Ereignisses das Flaggenfoto von Chaldej medial flächendeckend im Land verbreitet. Bei diesen militärischen Feierlichkeiten auf dem Roten Platz paradierten an exponierter Stelle immer drei Soldaten, die nach offiziellen Angaben jene gewesen sein sollen, die als Erste den Reichstag erstürmten. Jeder in Russland kannte sie, Jegorow, Kanataria und Samsonow.

Sie wurden zu Helden der Nation ernannt, erhielten höchste staatliche Orden und bekamen in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen im Kampf gegen den Faschismus und für ihre Flaggenhissung auf dem Reichstag eine lebenslange Rente. Damit war für alle unzweifelhaft, dass Jegorow, Kanataria und Samsonow auch jene drei Soldaten waren, die auf dem berühmten Foto von Chaldej abgebildet sind. Mitte der 90er Jahre recherchierten britische Journalisten in Russland jedoch die tatsächlichen Namen der drei beteiligten Flaggenhisser. Sie fanden heraus, dass auf dem Foto von Chaldej nicht die drei hoch dekorierten Soldaten Jegorow, Kanataria und Samsonow abgebildet waren, sondern die Soldaten Alexejev Nicolaiev, Abdullhakim Ismaiilow und Leonid Gorjatschov.

Der Tod des Unteroffiziers Michail Minins im Alter von 85 Jahren im Januar 2008, wurde auch in den deutschen Medien gewürdigt und gab der Diskussion darüber, wer die Flagge auf dem Reichstag hisste, neue Nahrung. Michail Minin ist nicht auf dem Flaggenfoto von Chaldej zu sehen, er war an dieser Aktion am 2. Mai nicht beteiligt. Abb.42 Portrait Minin, Foto: Privat Minin nimmt für sich aber in Anspruch, der erste überhaupt gewesen zu sein, der den Reichstag erstürmte und die Flagge in den Abendstunden des 30. April hisste:
Gegen 21 Uhr traf die Artillerie ein und eröffnete das Feuer auf den Reichstag.
Der Artillerieaufklärer Hauptmann Vladimir Makow, die Soldaten Zagitow, Lismenko und Borbrow, sowie der Unteroffizier Michail Minin drangen als erste ins Innere des Reichstages und stürmten auf das menschenleere Dach.

Sie suchten eine geeignete Stelle für die Hissung des Banners und entdeckten, dass die große Skulptur der „Germania“, die sie als eine Art Siegesgöttin auf einem Pferd identifizierten, der geeignete Ort für diesen historischen Augenblick sei.
Minin bestieg die Skulptur und steckte die Flagge in eine Öffnung. Hauptmann Makow nennt den genauen Zeitpunkt dieser Aktion, es ist der 30. April 22 Uhr 40. Andere Zeugen des Geschehens verschoben die Zeit der Aktion auf drei Uhr, 1. Mai 1945, sicherlich um damit das historische Ereignis mit dem wichtigsten Feiertag der Arbeiterklasse zu verbinden.

Medaille „Held der Nation“Oberst Zincenko, soeben ernannter „neuer Kommandant des Reichstages“, beauftragte am 1. Mai 1945 die Makow-Gruppe, ihre Divisionsfahne am höchsten Punkt der Kuppel zu hissen.

Auf dem Dach wimmelte es inzwischen von kleinen Fahnen, winzigen Fetzen aus roten Betttüchern, die jeder Soldat am Dach befestigte, der das Dach erreichen konnte. Der Gruppe Makow gelang es erst in der Nacht des 1. Mai, die Flagge auf der Kuppel zu hissen, so dass die Flagge erst am 2. Mai über Berlin zusehen“. Folgt man dieser Version, wäre Michail Minin der erste Soldat, der die Flagge auf dem Reichstag hisste.


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