einige BriefwechselDresden, den 2. Mai 1742.
Alle Briefe, mit denen Ew. Majestät mich beehren, sind zuverlässig der Unvergänglichkeit würdig; allein ich wünschte, Sire, daß der letzte auf unverbrennliche Leinwand geschrieben wär, um in dem Laufe der Jahrhunderte, selbst, gegen das Feuer siegreich, für alle Zeiten ein Denkmal der Güte zu sein, mit welcher Ew. Majestät mich beehren. Die Nachwelt würde den Reichthum Ihres Geistes, mehr als irgendwo, in den schönen Versen, mit denen der Brief geschmückt ist, erkennen; sie würde die großen Entwürfe bewundern, mit denen Ihre Seele erfüllt ist, und mich um die Scherze und die Worte aus der Feder eines Königs beneiden, der von ihr geliebt und bewundert werden wird. Welche Commentare wird man über mich schreiben, welche Untersuchungen über mich anstellen? Ich werde für immer in dem Munde der Menschen sein, mein Name wird neben dem Ew. Majestät leben und wenn man von Achilles spricht, wird man sich zuweilen des Patroclus erinnern. Wodurch, Sire, habe ich diese neue Gunst von Seiten Ew. Majestät verdient? Etwa, weil ich Ew. Majestät liebe und bewundere? Wenn aber, Sire, die Furcht in dem Maße, als man Nebenbuhler hat, zunimmt, in welcher Besorgniß muß ich dann leben? ich habe wenigstens bereit so viel als die Anzahl derer beträgt, welche die Ehre haben Sie zu sehn, oder welche die Zeitungen lesen, wenn es auch nur die Wiener wären. Allein Ew. Majestät, nicht zufrieden, Sire, mit so vielen Beweisen von Güte, nicht zufrieden, mich in poetischen Bildern zu verewigen, welche selbst der französische Corregio für seine Arbeit gelten lassen würde, beehren Sie mich auch noch mit Ihren Befehlen. Dies, Sire, würde meinem Glück die Krone aufsetzen, wenn ich nicht in mir selbst unübersteigliche Hindernisse fände, um sie auszuführen.
Wohl, Sire, muß ich mich über mein Geschick beklagen, daß mir von so vielen Aufträgen, mit denen Ew. Majestät mich beehren konnten, gerade einer zu Theil wird, dessen ich mich nicht werde rühmen können und für welchen ich mich gänzlich unfähig fühle. Alles was mich noch trösten kann, Sire, ist, daß, wenn mir durch den Erfolg das Vergnügen Ihnen zu gehorsamen, versagt wird, ich dennoch durch das offene Geständniß meiner Unfähigkeit, das unschätzbare Kleinod Ihrer Achtung, welche ich immer für das kostbarste, was ich in der ganzen Welt besitzen könnte, halten werde, nicht verlieren würde. Im Uebrigen, Sire, wenn Ew. Majestät mir erlauben wollen, noch zwei Worte darüber hinzuzufügen, glaube ich, das sicherste Mittel Ihren Wunsch erfüllt zu sehn, dürfte sein, Ihr Verlangen dem Hofe insinuieren zu lassen. Sie können es hier Ew. Majestät nicht anders als hoch aufnehmen, daß Sie ihnen ein Mittel an die Hand geben, die Bande einer Freundschaft, die ihnen so angenehm und nützlich sein muß, enger als je vorher zu schließen. Was mich betrifft, Sire, ich bereite meine Bewunderung auf Alles vor, was Sie uns binnen eines Monats werden sehn lassen. Ich bin gewiß, daß Sie den Oestreichern und der Fama ein gut Stück Arbeit zutheilen werden.
Alle Welt ist überzeugt, Sire, daß das Schicksal des Reiches und Europa’s in Ihren Händen liegt. Schleudern Sie den Blitz, Sire, wie Jupiter, allein geben Sie auch, wie er der Erde den Frieden und dem Himmel, sobald seiner Gerechtigkeit ein Genüge geschehen, die Heiterkeit zurück. 30. Vom Könige. Chrudim, den 10. Mai 1742. Sanfter Schwan, Sie sagen mir sehr beredt: Sie wünschten, mein Brief möge auf einen unverbrennlichen Stoff geschrieben sein, um Ihren Namen zu verewigen. Ich bin über diese ausschweifende Bescheidenheit eines Italieners, der sich hat drucken lassen und der als Schöngeist in Versen und in Prosa durch ganz Europa bekannt ist, erstaunt. Ich glaubte, Sie würden von mir dafür, daß Sie sich des Ihnen ertheilten Auftrages so geschickt zu entledigen gewußt haben, verlangen in Erz gegraben zu werden. Die chronique scandaleuse verbreitet, daß Sie Resident des Königs von Polen in Venedig werden würden und daß Ihnen diese Gunst durch die Fürsprache des Paters Guarini zu Theil geworden sei. Ich wünsche Ihnen zu dieser neuen Bestallung Glück; allem Anscheine nach haben Sie aus diesem Grunde nicht mit Pinti zu sprechen gewagt. Sie werden also, mein Herr Italiener-Polak, in Ihrem Vaterlande Politik treiben und monatlich zweimal Ihrem Könige des Nordens*) eine brauchbare Zeitung über die Begebenheiten des Orients schreiben. Ich werde mich noch einmal in dem Falle befinden, Ihnen mit jenem berühmten Römer zu sagen:
»Cicero der Philosoph grüßet Atticus den Staatsmann.« Ich denke nicht daran, daß man es wagen wird, Sie in Venedig mit irgend einem andern Auftrage zu belästigen, außer Aurora zu begrüßen, welche Sie, um so zu sagen, an den Pforten des Aufgangs bei der Toilette sehen. Sagen Sie ihr, ich bitte, sie möchte etwas früher aufstehen und uns mehr erwärmen, denn wir bedürfen dessen sehr. Ich bin darauf gefaßt, Sie, bald in den Zeitungen glänzen zu sehn, so daß Ihr Name binnen kurzem die Namen der Tarokas, der Temples und der Ormeas wird vergessen machen. Sorgen, welche nicht das Glück haben, Ihnen zu gefallen — ich meine militairische Beschäftigungen, verhindern mich, Ihnen für dies Mal mehr zu sagen. Sie haben sich von mir nichts anderes, als Krieg zu versehen; Euch anderen Ministern kömmt es zu den Frieden zu unterhandeln; wenn ihr ihn so sehr wünscht, so dürft ihr euch nur damit befassen. Ich würde Sie bewundern, wenn es Ihnen damit gelänge, und nicht weniger mit Achtung und Freundschaft sein u. s. w. F. 31. Vom Grafen Algarotti. Dresden, den 20. Mai. 1742. Sire, Hier haben Sie die Aufgabe, die ich mir bei meinem Aufenthalt in Dresden gestellt hatte: ich wollte mich an der Quelle von Neuigkeiten befinden und Ew. Majestät große und wichtige mittheilen, Ew. Majestät haben den Krieg angefangen und werden ihn, allem Anscheine nach, durch den glorreichen Sieg, welchen Sie in den Ebenen von Chotusitz so eben davon getragen haben, beendigen. Wird man nicht sagen, Sire, daß Ew. Majestät dieses Schlachtfeld ausdrücklich zur Bequemlichkeit der Dichter gewählt haben, welche finden werden, daß auf Molwitz sich nichts besser reimt, als Chotusitz? Ich wünsche Ihnen Glück, Sire, und mache Herrn von Broglio, den Sie aus dem imbroglio (Verlegenheit) gezogen, der Stadt Prag, welche Sie gerettet und dem Hause Sachsen, welchem Sie nun Gewähr leisten, mein Compliment. Man bereitet hier Canonaden und Tedeum vor und zuverlässig könnten die Herrn Sachsen ihr Orchester und ihr Pulver nicht besser verwenden. Ich glaube nicht, Sire, daß jemals eine Schlacht so Vieles auf ein Mal entschieden hat und Ew. Majestät war es vorbehalten, sie zu gewinnen, da Sie zugleich das Haupt und der Arm des Bundes sind. Ich würde Ew. Majestät noch mehr Glück über diese neue Bereicherung Ihres Ruhmes wünschen, wenn ich die Eigenschaften Ihres Herzens weniger kennen würde. Der Verlust so vieler braven Leute und vor allem der traurige Zustand desjenigen, der sich immer Ihrer Achtung und Ihrer Gunst so würdig machte*), mußte selbst an dem Tage Ihres Triumphes die Lebhaftigkeit des größten Vergnügens, dessen das menschliche Herz fähig ist, und welches Ew. Majestät in seiner ganzen Ungetrübtheit und Fülle zu empfinden würdig gewesen wären, vermindern.
Ew. Majestät fühlen sehr wohl, daß nachdem man von Ihren Thaten gesprochen hat, das Uebrige, was ich noch hinzufüge, nur sehr kurz sein kann, obschon es mich persönlich betrifft. Die Chronik, welche mich so hoch in die Gunst des Paters Guarini stellt und mir Beglaubigungsschreiben für den Senat von Venedig zugetheilt, erweist mir zu viel Ehre und ist nicht ganz gut unterrichtet. Die Aufmerksamkeit, welche mir der Pater Guarini erwiesen haben mag, muß ich Ew. Majestät verdanken, welche die Gnade hatten, mit einigem Wohlwollen über mich mit ihm zu sprechen; und was jene Gesandtschaft betrifft, welche für das untergeschobene Kind dieser neuen Gunst gilt, so hat er daran, oder an irgend etwas dergleichen, eben so wenig gedacht, als mich zum Carthäuser zu machen, oder mir ein Lustschloß in Trachineen (Trakenen?) zu miethen. Hätten Ew. Majestät die Gnade gehabt die Wahrheit davon zu untersuchen, Sie würden zuverlässig nicht geglaubt haben, daß meine angebliche Gesandtschaft der Grund sei, weshalb ich mich entschuldigte, den Auftrag mit Pinti zu sprechen, ablehnen zu müssen; Sie würden mir die Gerechtigkeit haben wiederfahren lassen, den Grund meiner Entschuldigung, anstatt ihn in einem falschen Gerüchte zu suchen, in meinem eigenen Charakter zu finden. Bevor ich Deutschland, dem es, statt allen anderen Ruhmes, genügen darf, Ew. Majestät geboren zu haben, Lebewohl sage, was bald geschehen wird, werde ich die Ehre haben Ew. Maj. über das wahre Verhältniß meines Benehmens zu unterrichten, damit Sie, im Fall es der Mühe lohnen sollte, die mich betreffenden Artikel der Chronik berichtigen können. Das Studium und die Musen werden mich ganz in Anspruch nehmen und ich zweifle, daß Ew. Majestät meinen Namen anderswo, als in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, oder unter meinen Briefen sehen werden. 32. Vom Könige. |
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