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Berlins erstes Telefonbuch 1881
ISBN 978-3-929829-33-4
erschienen März 2006

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Teilnehmer Bleichröder

Die Geschichte des Bankhauses S. Bleichröder begann 1803 mit einer Wechselhandlung in der Rosenthaler Straße. Samuel, Sohn des Gerson Jacob aus Bleicherode im Harz, der um 1800 als Parfümeriefabrikant in der Kronenstraße lebte, erwarb 1808 ein Grundstück in Pankow, Breite Straße 33 (Bleichröder-Park). In den dreißiger Jahren übertrug ihm das Bankhaus Rothschild die Vertretung in Berlin, die bis dahin das Bankhaus Mendelssohn (Telefon Nr. 29) innehatte. Als Rothschild-Agent gewann Samuel Bleichröder schnell Kontakt zum preußischen Königshaus. 1845 wurde er Bankier der Rheinischen und Köln-Mindener Eisenbahngesellschaften und beteiligte sich 1850 erstmals an einer Bank. 1847 nahm er den Sohn Gerson (1822-1893) als Teilhaber ins Geschäft.

Gerson Bleichröder führte die Firma ab 1856 fort, nahm 1866 seinen Vetter Julius Leopold Schwabach als Teilhaber hinzu, wurde Vertrauensbankier des Reichskanzlers Bismarck und der bedeutendste Kopf unter den Berliner Bankiers. Die Verbindung zur Politik erwarb ihm größtes Ansehen und beste Aufträge. 1859 gründete er mit Schickler, Mendelssohn (Telefon Nr. 29), von Magnus, Breest & Gelpke, Warschauer (Telefon Nr. 43) und der Berliner Disconto-Gesellschaft (Telefon Nr. 23) das Preußenkonsortium, um für die Mobilmachungsanleihe dreißig Millionen Taler zu emittieren. 1871 wickelte das Bankhaus die französischen Reparationszahlungen ab und ab 1879 die Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen. Bleichröder bediente sich dabei sowohl des »Börsen-Couriers« (Telefon Nr. 39) als auch der Konkurrentin »Börsen-Zeitung« und Wolffs Telegraphen-Bureau (Telefon Nr. 399). Letzteres gehörte der Continental-Telegraphen-Compagnie, deren Aufsichtsrat Bleichröder vorstand, während sein Freund Richard Wentzel deren Direktor war. Nützlich war in jedem Fall die enge Beziehung zum Polizeipräsidenten Berlins, Guido von Madai (Telefon Nr. 45). Bleichröder war auch Mitglied im Verwaltungsrat des projektierten Nord-Ostsee-Kanals.

Für seine Verdienste erhob ihn Kaiser Wilhelm I. am 8. März 1872 in den erblichen Adelsstand. Bleichröder wurde »über Nacht der berühmteste Jude Deutschlands«, schreibt Fritz Stern. Vor antijüdischen Angriffen, insbesondere aus dem Kreis adliger Militärs bewahrte ihn die Nobilitierung nicht. 1873 erwarb Gerson von Bleichröder von Kriegs- und Marineminister Albrecht Graf von Roon Schloß Gütergotz (Güterfelde) am nordwestlichen Rand des Teltow für sich und seine Familie, die er mit Emma Guttentag, Tochter des Breslauer Bankiers Julius Guttentag (Telefon Nr. 305, 318, 329) gegründet hatte. Der Bankier ließ das einst von David Gilly errichtete Gebäude durch einen namentlich nicht bekannten Architekten im Stil der Neorenaissance umbauen. Heute nutzt der Verein – Kultur & Landschaft e.V. das Schloß. Das Bankhaus S. Bleichröder wurde 1938 zwangsweise an die Firma Hardy übertragen.

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