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Berlins erstes Telefonbuch 1881
ISBN 978-3-929829-33-4
erschienen März 2006

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Ein Wort zuvor

Können Sie sich vorstellen, ohne Telefon das Haus zu verlassen oder gar den ganzen Tag über kein einziges Telefongespräch zu führen? Kaum. Aber diese Zeiten gab es, historisch gesehen ist das gar nicht lange her. 1876 hatte Alexander Graham Bell den ersten voll funktionsfähigen Telefonapparat gebaut. Heinrich von Stephan, Generalpostmeister des Deutschen Reiches, erfuhr 1877 davon, las die Beschreibung in der »Scientific American« vom 6. Oktober des Jahres und bestellte postwendend ein Exemplar. Am 24. Oktober überreichte ihm sein Freund Henry C. Fisher, Chef des Londoner Haupttelegraphenamtes, zwei Bell-Apparate – bevor der Brief von Stephans New York erreichte.

Am 5. November stand die erste regelmäßige Fernsprechleitung zwischen der Leipziger und der Französischen Straße: zwischen den Amtszimmern des Generalpostmeisters und des Direktors des Generaltelegraphenamtes. Reichskanzler Otto von Bismarck stimmte sofort zu. Franz Carl Guillaume befaßte sich mit der schwierigen Konstruktion von Telefonkabeln. Werner Siemens träumte davon, »jedem Berliner Bürger wo möglich ein Telephon zu jedem anderen zu Disposition zu stellen« und fing zu bauen an...


1881 erschien das erste Berliner Telefonbuch mit 185 Einträgen, von der Berliner Bevölkerung belächelt und als »Buch der Narren« betitelt. Sieben Jahre später gab es in Berlin mehr Telefonanschlüsse als in jeder Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Ein Siegeszug ohnegleichen. Wie er begann, davon ersatz zählt dieses Buch. Wer waren die Narren, die sich einen Fernsprecher leisteten? Fast ein Drittel der Anschlüsse hatten die Bankhäuser inne. Börse, Reichstag, Reichsdruckerei, Polizeipräsidium,
Abgeordnetenhaus, Landgericht und Kriminalgericht waren ebenfalls angeschlossen. Kaufleute und Fabrikanten wie Hermann Gerson, Carl Hoppe, Benjamin Liebermann, Julius Pintsch und James Simon, Presseverlage, Wolffs Telegraphenbüro und das Central-Hotel mit dem Wintergarten gehörten dazu.


Zur Einstimmung auf die Telephonie, wie das Fernsprechwesen zunächst genannt wurde, lädt das Kapitel »Das Jahr 1881« ein. Ihm folgt die Geschichte des Telefons mitsamt einem Abriß der Kommunikationsgeschichte und den Biographien der Hauptakteure: Heinrich von Stephan und Werner von Siemens. Das erste Berliner Telefonbuch, das zugleich das erste deutsche Telefonbuch war, bildet den Mittelteil. Das Buch wurde neu gesetzt, weil das Original als Reprint schlecht lesbar wäre. Es sind jedoch Auszüge aus dem Original aufgenommen worden. Das letzte Kapitel macht die LeserInnen mit den Teilnehmern und ihren Gewerben bekannt. Daraus ist eine kleine Technik- und Wirtschaftsgeschichte Berlins entstanden.
Blättern Sie das Telefonbuch durch. Sie werden staunen, was es Ihnen zu sagen hat. Ich habe nicht alle Namen und Firmen enträtseln können. Wenn Sie in einem Fall mehr wissen als ich, bin ich gespannt, davon zu erfahren.

Gerhild H. M. Komander

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