Berlin, Potsdam, Brandenburg 1775
Die Reisen des Anton Friedrich Büsching
ISBN 978-3-929829-37-2erschienen Dezember 2006 Zum Buch...
Königlicher Bau in BerlinWeil der Mühlendamm nicht der Stadt, sondern dem Könige gehöret, so stehet er auch nicht unter des Magistrats, sondern unter des Amts Mühlenhof Gerichtsbarkeit. Die Gränze derselben, kann man aus den in der Anmerkung* abgedruckten Abschieden ersehen. Sie fängt auf der einen Seite mit dem Gebäude des Mühlenhofs an, und gehet bis an das Ende der Kaufmansladen unter den Schwibbogen, oder bis an die Fischerstraße. Auf der andern Seite hebet sie von den Mühlengebäuden an, welche der Fischerstraße gegen über anfangen, und reicht bis an die Hälfte des Ephraimschen Hauses, welches ehedeßen die Tonnenbindersche Apotheke hieß, und hernach von dem berühmten Juden Ephraim bis an die Mühlengebäude ausgebauet wurde. Ehe Ephraim den ledigen Platz zwischen dem gekauften Tonnenbinderschen Hause und den Mühlengebäuden, bebauete, lag daselbst ein Mühlenstein, zum Zeichen der Amtsgerichtsbarkeit. In Policeysachen, ist der Mühlendam dem Policeydirectorio der Königl. Residenzstädte unterworfen.
Ich habe mich etwas lange bey diesem Theil der Stadt aufgehalten, und behalte deswegen alle Anmerkungen zurück, welche ich bey dem Cölnischen Fischmarkt, und Cölnischen Rathhause, bey der Getrauten Straße und Peters-Kirche, bey dem Spittelmarkt und bey der darauf stehenden Kirche des Hospitals zu St. Gertraut, machen könnte, und laße mich über die Gertrauten Brücke durch einen schmalen Strich des Friedrichswerders, über die Spittelbrücke aber in die Friedrichsstadt und zwar in die Leipziger Straße fahren, welche von der sie durchschneidenden Mauerstraße an bis ins Achteck, die Potsdamer Straße heist. Diese gerade, breite und schöne Straße, welche von der Spittelbrücke bis an das Achteck, 375 rheinländische Ruthen lang ist, und von der Spittelkirche bis an das Potsdamer Thor , eine gerade Länge und Aussicht von 450 rheinländischen Ruthen giebt, ist eine der schönsten in unserer Stadt. Ich habe von mehr als einem Fremden, der zum erstenmahl nach Berlin durch das Potsdamer Thor gekommen, das Bekentniß gehöret, daß ihn bey dem Eintrit in das Thor, der Anblick einer so langen und schönen Straße entzückt habe. Jetzt muß dieser Anblick noch mehr rühren, weil der König diese vorhin schon wohl gebauete Straße, und den an derselben liegenden regelmäßigen Dönhoffschen Platz, durch neue, hohe und schöne steinerne Häuser noch mehr verschönert hat. Jetzt werden noch 16 gebauet, welche gewöhnlicher maßen vor dem Winter fertig werden sollen. Es ist in der That etwas ungewöhnliches, daß ein Landesherr seinen Unterthanen anstatt ihrer alten, niedrigen und geringen Häuser, neue, hohe und schöne steinerne Häuser von weit größerm Werth aufbauen läst, und ihnen eigenthümlich schenket. Der König hat freylich eine besondere Lust zum bauen, wenn Er aber weiter nichts als die Befriedigung derselben zur Absicht hätte, so würde er nur Schlößer und Häuser für sich aufführen. Allein er bauet große Casernen für Soldaten, und zu Berlin und Potsdam eine große Anzahl Häuser für die Einwohner dieser Städte. Also ist seine Absicht, diese Städte zu verschönern, den Einwohnern derselben mehr Bequemlichkeit, und vielen tausend Menschen Arbeit und Verdienst zu verschaffen. Er folget darin so wie in vielen andern wichtigen Dingen, dem Beyspiel seines glorreichen Herrn Vaters, von welchem er Selbst (Memoires de Brandebourg T. III. p.175. der Quartausgabe) schreibet, daß er viel Geld an Gebände für seine Unterthanen gewandt habe, und Er übertrift denselben darinn, und in andern Stücken, sehr weit. Ihm gebühret der Ruhm alles Guten das dadurch gestiftet wird, an dem fehlerhaften welches sich dabey äußert, ist theils die Natur der Sache, theils die mannigfaltige Absicht der an diesem Bau theilnehmenden Menschen, Schuld. Eben diese Fehler findet man in allen Ländern, und an allen Orten wo Menschen sind und wirken. Werden die Arbeiten welche das Bauen erfordert, denjenigen überlaßen, welche am wenigsten dafür verlangen, so sorgen die gewissenlosen Leute für ihren Nutzen durch die schlechte Beschaffenheit ihrer Werke, und so gehet, was auf einer Seite ersparet wird, auf der andern Seite verlohren. Soll alles entweder nach dem Werth der Arbeit, oder nach den darauf verwandten Tagen bezahlt werden, so verursacht bald die Gewinnsucht, bald die Faulheit der Arbeiter, unerträglich große Kosten, und die verordnete Aufsicht kann dieselben eben so wenig, als den künstlichen Betrug, verhüten. Nicht wenige Einwohner dieser Stadt, welche eigene Häuser auf die Weise besitzen, als sie dieselben entweder gebauet, oder geerbet haben, beschweren sich über den Königlichen Bau, und erklären ihn für schädlich, weil durch denselben der Werth ihrer und aller andern auf Kosten ihrer Besitzer erbaueten Häuser, heruntergesetzt werde.
Es ist wahr, die Preise und Miethen fallen ungefähr seit 1769 da der König angefangen hat, gegen dem Schloß über unweit der Langenbrücke, in der Königsstraße, in der Breitenstraße, unter den Linden, in der Leipzigerstraße und am Dönhofschen Platz, und an ein paar andern Orten, Häuser von 1 oder 2 Stockwerken, zu 3 bis 4 Stockwerken erbauen zu lassen, und dadurch mehr Wohnungen zu verschaffen. Allein ohne zu erwähnen, daß die Stadt dadurch schöner und ansehnlicher werde; so ist offenbar, daß der gröste Theil der Einwohner dadurch gewinne. Wahrscheinlicher Weise, sind nicht 6000 Eigenthümer der Häuser in Berlin vorhanden, aber der Familien und einzelnen Personen welche zur Miethe wohnen, sind 4 oder 5 mal mehr, und für diese ist die Verminderung des Miethsgeldes sehr erwünscht. Also ist der Königl. Bau im ganzen sehr vortheilhaft. Laßet noch ein Menschengeschlecht aussterben, so wird man der hohen Preise der Häuser und Miethen zur Zeit des letzten Krieges, und in den nächsten Jahren nach demselben, vergeßen, und sehr viel Häuser werden neue Besitzer haben, die wohlfeiler als die vorhergehenden Besitzer dazu gelanget sind, und niemand wird sich beklagen. In der Welt wechselt das steigen und fallen unaufhörlich ab, und sie ist und bleibet doch immer die beste. |
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