Berlin, Potsdam, Brandenburg 1775
Die Reisen des Anton Friedrich Büsching
ISBN 978-3-929829-37-2erschienen Dezember 2006 Zum Buch...
Büschings Text - EinleitungReisen sind nicht meine Sache; sie kosten zu viel Zeit, und diese habe ich nicht übrig. Man muß nicht sagen, daß es zur Gesundheit und zum Vergnügen nöthig sey, sich zuweilen von seinen ordentlichen und täglichen Geschäften loszureißen, und daß dieses nicht beßer als auf einer Reise geschehen könne. Denn eines theils ist die Bewegung welche ich mir täglich mache, zu meiner Gesundheit, und die Arbeit selbst zu meinem Vergnügen hinlänglich; und anderntheils ist es nun schon durch die Länge der Zeit unmöglich geworden, daß ich wachend unbeschäftigt bleiben könnte: die Thätigkeit aber kann, nach meinem Geschmack, nur in Untersuchungen und Betrachtungen über dieselben bestehen, und davon kann ich mich auch auf Reisen nicht enthalten. Also kommt von den Reisen für mich weiter nichts heraus, als daß ich meine ordentlichen Arbeiten unterbreche, und mich in neue einlaße, durch beydes aber meine Mühe vermehre. Ich würde also auch die kleine Reise, welche ich heute antrete, nicht unternehmen, wenn nicht Rekahn, dahin sie gerichtet ist, wegen des Herrn Domherrn von Rochow und deßelben Frau Gemalin, einer gebornen von Bosen, ein Ort wäre, der mehr als hundert andere besucht zu werden verdient, ja wenn nicht das von diesem seltenen Patrioten eingerichtete Schulwesen, wegen seiner Vortreflichkeit, würdig wäre, besichtiget, gepriesen und nachgeahmet zu werden. Dieses Tagebuch meiner Reise, wird zeigen, daß sie mehr zum Nutzen des Publikums, als zu meiner Erholung ausgefallen sey. Es wäre nicht unrecht gewesen, wenn ich bloß meine Erholung zur Absicht gehabt hätte, weil ich zu Berlin täglich mit großer Anstrengung arbeite, und jetzt zur Beförderung der Gesundheit das Pyrmonter-Waßer trinke. Allein die Arbeit gehet bey mir über alles, und es ist wirklich keine kleine Arbeit gewesen, in wenigen Tagen so viel Nachrichten zusammen zu bringen, als ich hier mittheile. Freylich ist es nicht ohne die Hülfe vieler Gönner und Freunde geschehen: diesen bin ich aber auch mit meinen dringenden Bitten etwas beschwerlich gefallen. Nun zur Sache. Man kann von Berlin nach Potsdam entweder mit der ordentlichen Post, oder täglich zweymal mit der Journaliere, oder mit Extra-Post, oder mit Fuhrleuten reisen. Vier Extra-Post- Pferde, kosten ordentlicher Weise 5 Thaler 8 Gr. und die Königl. Meile (welchen Titul die Franzosen erfunden haben,) 1 Thaler 11 Gr. also überhaupt 6 Thaler 19 Gr. ohne Wagemeister- und Postillions- Geld. Diese beyden letzten Artikel, müßen doppelt bezahlet werden, weil zu Zehlendorf, auf dem halben Wege, ein Postwechsel ist. Ich habe mich zu Fuhrmannspferden entschloßen, und dafür 7 Thaler gegeben: da man aber doch nicht umhin kann, dem Fuhrmann etwas Trinkgeld zu geben, so komt es fast auf eines hinaus, ob man Post- oder Fuhrmanns-Pferde erwählet. Am 3ten Junius früh Morgens nach 4 Uhr, fuhr ich mit meiner Frau und beyden Söhnen, aus dem grauen Kloster ab. Die Fahrt gieng durch vier Theile der Stadt, nehmlich durch Berlin, Cöln, Friedrichswerder und Friedrichsstadt. |
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