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Zeitenwende

A Turning Point in History

ISBN 978-3-95723-021-8
erschienen Oktober 2014

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Wann begann die Wende? - Einleitung von Tobias Seeliger

Dies ist meine Geschichte, meine Bilder-Geschichte, so wie ich sie erlebt habe. Nicht mehr und auch nicht weniger, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder politische Korrektheit. 1989 war ich 15 Jahre alt, ich war in der FDJ, ich war aber auch in der Jungen Gemeinde der Gethsemanegemeinde aktiv, ich war getauft und konfirmiert worden, ein besserer mittelguter Schüler und habe mich in der Schule soweit im sozialistischen Sinne engagiert, wie man es von mir erwartete. Manchmal auch darüber hinaus, wenn mir eine Sache besondere Freude bereitete. Und das Fotografieren machte mir Freude. Kurzum: Ich genoss eine Erziehung, die von Offenheit und der Wahlmöglichkeiten, im Rahmen der system­bedingten Grenzen versteht sich, bestimmt war. Neugier wurde mir anerzogen und nicht wegtrainiert.


Das waren wohl alles in allem die besten Voraussetzungen, um sich in Kombination mit der Pubertät, dem damit einhergehenden Aufbegehren gegen elterliche und staatliche Konventionen, unbedarft und ohne Ängste – mit jugendlichem Leichtsinn quasi – in die aufregendste Zeit meines Lebens zu stürzen: Die Wende.


Warum ich damals so gut wie niemals ohne Kamera aus dem Haus ging, weiß ich bis heute nicht. Es war halt so. Und bis zum dem Tag an dem die Mauer fiel, hatte der Fotoapparat auch keine tragende Rolle, war einfach mit dabei. Ändern sollte sich das erst, als meine ersten Bilder, eher zufällig als geplant, in einer Ostberliner Tageszeitung veröffentlicht wurden. Schlagartig bekam die Kamera eine Bedeutung. Sie wurde zu einem Werkzeug. Im Laufe dieses Jahres änderte sich mein Blick auf die Ereignisse. Vom unbedarften Knipsen hin zum bewussten Beobachten. Wobei mir meine Jugend durchaus Vorteile verschaffte. So war ich wohl der jüngste Berichterstatter bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen zur Vorbereitung der Deutschen Einheit, stand neben den Mächtigen dieser Tage und war akkreditierter Journalist bei den letzten Sitzungen der Volkskammer. Eines Tages winkte mich sogar Willy Brandt durch die eng gedrängt stehende Pressemeute, damit ich ihn besser fotografieren konnte. Und das alles nur für eine Schülerzeitung, die über ein oder zwei Ausgaben nie hinaus kam. In diesen Tagen war einfach alles möglich!

 

Ende 1990 war ich noch nicht einmal ganze 16 Jahre alt, hatte eine Revolution miterlebt und fotografierte als junger Pressefotograf für Tageszeitungen.

Diese Entwicklung versuche ich hier mit meiner Bild­auswahl in möglichst chronologischer Reihenfolge nachzuzeichnen.

Bei der Sichtung des Bildmaterials sind mir die Erinnerungslücken aufgefallen. Wer erinnert sich noch an die Mahnwachen und Solidaritätsbekundungen mit dem rumänischen Volk um den Jahreswechsel oder die Aufnahme der vielen rumänischen Flüchtlinge im folgenden Jahr oder den ersten gesamtdeutschen Katholikentag in Berlin?


Und zu guter Letzt ist es eine Frage, die mich seit Beginn der Arbeit an diesem Buch beschäftigt: Wann begann eigentlich die Wende?


Berlin, August 2014

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