Berlin 1989-2009
Eine Bilanz in 12 Gesprächen
ISBN 978-3-86855-010-8erschienen März 2009 Zum Buch...
VorwortBerlin 1989-2009 Vor zwanzig Jahren ist die Mauer gefallen, wurde die geteilte Stadt wieder zusammengeflickt. Doch es scheint, als stünden wir noch immer im Schatten dieser Grenze, obwohl sie inzwischen fast unsichtbar geworden ist. Die Unterschiede zwischen den Menschen im West- und im Ostteil der Stadt sind immer noch spürbar, vor allem im Verständnis und in der Bewertung sowohl der eigenen als auch der Geschichte »der Anderen«. Offenbar dauert es weit länger als nur die Zeitspanne einer Generation, damit Berlin wirklich wieder eins wird. Wie fängt man es an, die rasante Entwicklung zu bilanzieren, die Berlin nach dem Mauerfall genommen hat? Uns hat interessiert, wie Menschen den ungeheuren Wandel erlebten und heute beurteilen; Menschen, die nach 1989 in ganz verschiedenen Funktionen aktiven Anteil an der Gestaltung der wiedervereinigten Stadt hatten und größtenteils immer noch haben. Die Form des Gesprächs schien uns dafür die geeignetste. Unsere Partner suchten und fanden wir in den unterschiedlichsten Bereichen. Der Präsident der Freien Universität und der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland zählen zu den Interviewten, genau wie ein stadtbekannter Gastronom, eine amerikanische Entertainerin, der ehemalige Senatsbaudirektor und der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Auch der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, hat sich die Zeit für einen Rück- und Ausblick genommen. Wir wollten bewusst keine Streitgespräche führen und haben die subjektive, einseitige und unvollständige Darstellung nicht nur in Kauf genommen, sondern durch unsere Fragen herausgefordert. Die Antworten stellen immer die persönliche Erfahrung und Meinung des Interviewten dar. Der »Fakten-Check« ist unterblieben. Widerspruch, so er uns auf der Zunge lag, haben wir unterdrückt. Jeder der zwölf Gesprächspartner sollte sein Berlin-Bild, seine Ansichten und Einsichten zu den letzten zwanzig Jahren Stadtgeschichte ausbreiten dürfen. Dabei kam auch der Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft nicht zu kurz. Wir sind aus jedem dieser Gespräche anders herausgekommen, als wir hineingegangen sind. Wir haben viel gelernt über die Art und Weise, wie sich Berlin nach dem Fall der Mauer verändert hat, über Gründe, Hintergründe und Protagonisten. Manche Statements haben uns wie ein Blitz plötzlicher Erkenntnis getroffen, so z.B. die Aussage von Kenan Kolat, »es war, als sei die Mauer auf die Türken gefallen«. Immer verließen wir unsere Gesprächspartner nachdenklich, bereichert um eine Perspektive, die uns zuvor unbekannt, manchmal auch fremd war. Wenn es dem Leser genauso ginge, wären wir zufrieden. Zwischen die Gespräche haben wir jeweils einen kurzen Text eingefügt. Die elf Schlaglichter behandeln Ereignisse, Entwicklungen und Einrichtungen, die in den zwei vergangenen Jahrzehnten in und für Berlin wichtig, typisch und oft umstritten waren. Auch hier strebten wir nicht Vollständigkeit an, sondern spannende Vielfalt. Unser Dank gilt vor allem unseren Gesprächspartnern und dem Verleger Wieland Giebel, der unsere Begeisterung für dieses Projekt von Anfang an geteilt und uns tatkräftig bei dessen Verwirklichung unterstützt hat. Berlin, im März 2009 Manuela Arand Thomas Knuth |
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