Berlin 1806
Das Lexicon von Johann Christian Gädicke
ISBN 978-3-929829-32-7erschienen Februar 2006 Zum Buch...
Über dieses BuchNachschlagewerke über Berlin gibt es viele. Je rascher die Stadt sich verändert und je unüberschaubarer ihre Topographie wird, desto größer wird das Bedürfnis nach handlicher Orientierung. Das war offenbar schon vor 200 Jahren so, als Berlin erst rund 180.000 Einwohner zählte. Damals kam der passionierte Buchhändler und Verleger Johann Christian Gädicke auf die Idee, ein Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend zu veröffentlichen, das alles Wissenswerte über diese Stadt enthalten sollte: ein Verzeichnis sämtlicher Straßen, Plätze, Brücken, Denkmäler, Kirchen, Behörden, Gewerke, Manufakturen und Fabriken.
Dieses Nachschlagewerk ist etwas Besonderes. Denn zum Glück war der fleißige Verfasser nicht nur ein akribischer Faktensammler, sondern auch ein erfahrener und gewitzter Sachbuchautor. Neben historischen Exkursen enthält Gädickes Buch knappe, ungemein lebendige Schilderungen des damaligen Alltagslebens in Berlin. Manche Lexikonartikel sind ihm unter der Feder zu aufschlußreichen Kurzessays über die damalige Mode, die Hofetikette oder ortsübliche Krankheiten wie die »Liebesseuche« herangewachsen. Sein Lexicon ist nicht allein eine nützliche Geschichtsquelle, sondern auch ein faszinierendes Lesebuch, das zum Hin- und Herblättern verführt und in dem man sich leicht festliest. Dieses Vergnügen vielen heutigen Lesern zu ermöglichen, ist das Anliegen dieser Edition. Die Originalausgabe bleibt ein Rarissimum. Zu einer von Gädicke selbst geplanten Taschenausgabe des umfangreichen Lexicons für ein breiteres Publikum kam es nie. Das hat mit den damaligen Zeitläuften zu tun. 1806 war ein Jahr dramatischer Umbrüche in Berlin und Europa – ein Schwellenjahr vergleichbar mit Daten wie 1871, 1918, 1945 oder 1989. Napoleon ordnete die Landkarte Europas in seinem Sinne neu. Wenige Wochen nach Erscheinen von Gädickes Lexicon besetzten französische Truppen die preußische Hauptstadt. Damit verlor das Buch schlagartig seinen Wert als aktuelles Nachschlagewerk. Auch die durch die Besatzung ausgelöste Wirtschaftskrise und die allgemeine Unsicherheit über das weitere Schicksal Preußens verhinderten weitere Auflagen des Buches. Unter glücklicheren Zeitumständen hätte Gädickes Lexicon zum Standardwerk werden können wie Friedrich Nicolais Beschreibung der königlichen Residenz-Städte Berlin und Potsdam, die seit 1769 in vielen Auflagen erschien. Mit Blick auf das veränderte Interesse heutiger Leser wurde das Lexicon für die vorliegende Ausgabe um viel Ballast erleichtert, aber auch umfangreich ergänzt: um Karten, Bilder, Worterläuterungen, einen Essay über Berlin im Jahr 1806 und Recherchen zu Gädickes Verlagskarriere. – Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern des Zentrums für Berlin-Studien (für unkomplizierte Unterstützung), Wieland Giebel (für verlegerischen Mut), Angelina Moukahal und Norman Bösch (für Texterfassung und Layout), sowie Michael Davidis, Ralph Hoppe, Klaus Kowatsch (für Tips und Kritik) und Elke Linda Buchholz (für alles). Der Herausgeber |
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