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Der Letzte macht das Licht aus ...

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – 250 Fluchtgeschichten aus der DDR

ISBN 978-3-86368-038-1
erschienen September 2011

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Vorwort

Der Letzte macht das Licht aus ...«, spottete das DDR-Volk und niemand ahnte, dass dieser Letzte einmal der Staatschef höchstpersönlich sein würde. Als Flüchtling aus dem Osten Deutschlands  hatte Erich Honecker am 13. März 1991 das gleiche Motiv, wie Millionen seiner Landsleute vor ihm:
Er wollte und konnte nicht mehr in seinem Land leben, weil ihm dessen Verhältnisse nicht mehr gefielen und er politisch verfolgt wurde.
So endete die Geschichte der Flucht aus der DDR mit einem Treppenwitz, der wohl einmalig auf der Welt ist.

 

Begonnen hatte sie gleich nach der Gründung der beiden deutschen Staaten. Nach den Statistiken des Bundesministeriums des Innern (1996) verließen bis zum 13. August 1961 insgesamt 2 738 562 Menschen die DDR. Jeder hatte dafür seinen individuellen Grund. Manche zog es zu ihren Familien im anderen Teil Deutschlands, andere wollten am wirtschaftlichen Aufschwung im Westen teilhaben. Wieder andere flüchteten vor Repressionen in der DDR oder sahen ganz einfach in den freiheitlichen und demokratischen Grundstrukturen der Bundesrepublik Deutschland die lebenswertere Alternative.

 

Obwohl diese Bundesrepublik von Anfang an mit dem Anspruch antrat, der Staat aller Deutschen zu sein, machte sie den Landsleuten im Osten den Wechsel in den Westen nicht leicht. Wer sich dort ansiedeln wollte, hatte sich einem »Notaufnahmeverfahren« zu unterwerfen, dessen Ausgang  manchmal ins Abseits führte. Viele DDR-typischen Ausbildungen – vom »Neulehrer« der ersten Jahre bis zum Abitur der ostdeutschen Schulabgänger – wurden nicht anerkannt, umfangreiche Datensammlungen im Westen gaben Hinweise auf inzwischen vom nunmehrigen Flüchtling vielleicht bedauerte politische Jugendsünden.

 

Heute fast vergessen ist auch, dass es erhebliche Hürden zu überwinden galt, um als »politischer Flüchtling « anerkannt zu werden.Gerade angesichts dieser Verhältnisse war das Verlassen der DDR stets mehr als ein Umzug in Deutschland. Die innerdeutsche Migration – auch aus dem Westen kamen rund 500 000 Menschen in den Osten, davon etwa zwei Drittel »Rückkehrer«, die zunächst aus der DDR geflohen waren –  kann durchaus als »Abstimmung mit den Füßen« gewertet werden. Es war in der Summe eine  Abstimmung gegen die Deutsche Demokratische Republik und für die Bundesrepublik Deutschland. Mit dem Bau der Mauer in Berlin änderte sich das Motiv der Flüchtlinge. Wer nun in den Westen  kam, wollte im Osten einfach nur noch weg.

 

Das gelang bis zum 31. Dezember 1988 immerhin 383 181 Menschen auf dem offiziellen Weg der   Ausreise. Eine peinliche Bilanz für die DDR mit einer makabren Dimension: 33 755 ihrer   Landeskinder hat die DDR zwischen 1964 und 1989 als Häftlinge an die Bundesrepublik Deutschland verkauft.
Aus diesem Menschenhandel kassierte sie rund 3,4 Milliarden Mark, in harter Währung, versteht  sich. Doch auch all dass reichte nicht, um die wachsende Unzufriedenheit im »ersten deutschen  Arbeiter- und Bauernstaat« zu bändigen. Weiteren 178 182 Personen gelang die Flucht »mit  mäßigem Risiko«, so das Bundesinnenministerium. Für 40 101 Menschen war sie mit tödlichen  Gefahren verbunden.

 

Wie diese Gefahren aussahen und was Menschen sich einfallen ließen, um von Deutschland nach  Deutschland zu gelangen, wird hier an 250 Beispielen erzählt.

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