Vorwort
ZWISCHEN BESATZUNG UND BESIEDLUNG Der Pocket Guide to Germany der US-Army
»Ihr seid nicht in Deutschland, um Vergeltung zu üben oder die Einwohner wie Tiere zu behandeln. Wir sind nicht wie die Nazis.« Eine einfache Botschaft – doch sie verlangte enorm viel von jenen jungen Männern, an die sie gerichtet war: War etwa nicht der Kampf gegen Nazideutschland, das halb Europa brutal unter seine Knute gezwungen hatte, das wichtigste Motiv für die hunderttausenden Amerikaner, die im Zweiten Weltkrieg Hitlers Wehrmacht entgegentraten? Waren nicht »die« Deutschen der Grund für all die Zerstörungen in Europa, den massenhaften Tod von Zivilisten und eigenen Kameraden, die unschätzbaren Leiden? Im US-Kriegsministerium in Washington wusste man 1944 genau, dass gerade junge, aus ihrem bisherigen Leben herausgerissene Wehrpflichtige unmissverständliche Verhaltensregeln brauchen. Nur so waren Exzesse gegen geschlagene Feinde oder gar Zivilisten zu vermeiden, die in der Heimat eine verheerende öffentliche Wirkung entwickeln konnten. Andererseits galt es, jede Verbrüderung mit dem Feind zu vermeiden. Um den eigenen GIs sowohl die Besetzung des geschlagenen Kriegsgegners wie die Befriedung Mitteleuropas zugunsten der Zukunft möglichst zu erleichtern, gab die Morale Service Division unter Leitung des US-Deutschland-Experten John J. McCloy den »Pocket Guide to Germany« heraus. Dieses zentrale Dokument für die deutsch-amerikanischen Beziehungen wird jetzt, nach 64 Jahren, zum ersten Mal in einer zweisprachigen Ausgabe vorgelegt.
Als einige Monate nach dem D-Day die ersten US-Truppen deutschen Boden betraten, waren rund zwei Millionen Exemplare des nur 48 Seiten starken, kleinformatigen Hefts verteilt: »Es hat wohl kein GI gegen Hitler gekämpft, der den Guide nicht irgendwann einmal in Händen gehalten hätte«, schreibt Klaus-Dietmar Henke. Genau das macht den zeithistorischen Wert des Pocket Guide aus: Das darin gezeichnete Deutschlandbild war als Basis für die Besatzungstruppen gedacht, als verallgemeinerbar. Doch so gewiss die Aufgabe der Besatzungstruppen dadurch erleichtert wurde, so wenig enthielt der Pocket Guide direkt anwendbare Lösungen. Die »New York Times« fasste das tastende Vorgehen der Besatzungsmacht Ende März 1945 treffend zusammen: »Schritt für Schritt, durch Versuch und Irrtum, entwickelt sich hier im besetzten Rheinland die amerikanische Politik gegenüber dem besetzten Deutschland.«
Besonders in der Phase der unmittelbaren Besetzung nach der Eroberung, also je nach geographischer Länge zwischen September 1944 und April 1945, gab es heftige Ausschläge in Richtung beider Extreme, also sowohl hin zu möglicherweise zu nachsichtiger Politik gegenüber den nun ehemaligen Kriegsgegnern wie hin zu übertriebener Härte: In Aachen zum Beispiel, der ersten deutschen Großstadt unter US-Besatzung, etablierte der Kommandeur vor Ort eine deutsche Übergangsregierung, die der von teilweise berechtigtem, teilweise aber auch überschießendem Zorn getriebene Nachrichtendienst-Offizier Saul K. Padover als »faschistisch« bezeichnete – eine Bewertung, die er geschickt in einigen US-Zeitungen lancierte. Padovers Bericht sorgte in höheren Stäben der US-Army geradezu für Panik, schien er doch das Unterlaufen der regierungsamtlich angeordneten Politik der Non-Fraternization zu beweisen. Doch wie sollten die besetzten Gebiete ohne Rückgriff auf einheimische Fachleute wieder lebensfähig gemacht werden? In die entgegengesetzte Richtung kam es gerade nach der zunehmenden Befreiung von KZ-Lagern und abgemergelten, oft mehr toten als lebenden Gefangenen im April 1945, die in den USA zu heftigen emotionalen Reaktionen führten, zu Übergriffen gegen deutsche Soldaten und wohl auch gegen Zivilisten. Geahndet wurden solche Aktionen offenbar nur selten, weil sie meist im Rahmen von oder direkt im Anschluss an Kampfhandlungen stattfanden. In einem Fall, der praktisch vor den Augen eines höheren Offiziers stattfand, der spontanen Ermordung von mindestens 39, maximal 50 SS-Leuten des KZ Dachau am 29. April 1945, gab es eine förmliche Untersuchung, allerdings keine kriegsrechtliche Anklage gegen die beteiligten GIs. Nach diesem rechtswidrigen Gewaltexzess wahrte die US-Besatzungsverwaltung jedoch peinlich genau die rechtlichen Vorschriften bei der Aburteilung von mehreren hundert SS-Leuten, die in Dachau tätig gewesen waren. Der Pocket Guide illustriert die alltäglichen Schwierigkeiten, mit der eine auf Demokratisierung ihres vormaligen Kriegsgegners zielende Armee zwangsläufig konfrontiert wird. Dabei waren Verständigungsschwierigkeiten noch die kleinsten Probleme, denen der kleine und teilweise geradezu komische Sprachführer im letzten Drittel des Heftchens abhelfen sollte. Besatzungstruppen zu vorsichtig-zurückhaltendem Verhalten gegenüber den Menschen im eroberten Land anzuhalten und sie gleichzeitig zu motivieren, eine andere, bessere Form des Zusammenlebens zu demonstrieren, ist zwangsläufig eine Gratwanderung. Sie versucht der Pocket Guide zu bewältigen, indem relativ ausführlich der »Hintergrund« beschrieben wird, der zum Krieg geführt hatte. Diese Passagen sind aus heutiger Sicht gewiss der spannendste Teil in dem Heftchen.
Eine genaue Lektüre zeigt allerdings auch die tiefe Zerrissenheit in der Wahrnehmung der Autoren, unter denen verschiedene US-Deutschlandexperten und einige Emigranten waren. So wies der Pocket Guide die Soldaten einerseits darauf hin, dass »die Deutschen« seit Jahren nur ideologisch gefärbte und gesiebte Informationen bekamen, dass sie »in einem Vakuum in Sachen Wahrheit und echten Nachrichten lebten«, so dass man ihnen ihr Unverständnis für die Realität nicht vorwerfen könne. »Die Reglementierung war unter den Nazis lückenlos«, stellten die Autoren fest: »Trotz dieser ungeheuren Repressionen hat ein kleiner Prozentsatz Deutscher durch Hören ausländischer Kurzwellensendungen, die von England oder den Vereinigten Staaten ausgestrahlt wurden, den Tod riskiert.« Überraschend versöhnlich heißt es schließlich in der Schlussbemerkung: »Eine der Tragödien in Deutschlands jüngster Geschichte ist der eigene Verrat an den früheren Beiträgen zur Zivilisation. Das Land brachte große Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler, Künstler und Musiker hervor. Die Menschen besitzen enorme Tatkraft, die bisweilen der Menschheit eher gedient denn sie zerstört hat. In zukünftigen Friedenszeiten kann diese Tatkraft hoffentlich beständiger zum Wohl der Welt eingesetzt werden, beständiger als dies in der Vergangenheit der Fall war.« Daneben finden sich aus den Umständen verständliche Irrtümer, die jedoch bereits 1944 den Deutschlandexperten als unzutreffend erkennbar gewesen wären: »Denkt daran, dass vor elf Jahren die Mehrheit der Deutschen durch Wahl den Nazis zur Macht verholfen hat. Das gesamte deutsche Volk hatte Hitlers ›Mein Kampf‹ gelesen.« Auch die Einleitung zum Kapitel »Was die Deutschen von den USA halten« war kein Muster differenzierter Argumentation: »Ihr werdet feststellen, dass viele Deutsche mit der Meinung aufgewachsen sind, dass Amerika überwiegend von Cowboys, Indianern und reichen Onkeln bevölkert ist.«
Doch fast im selben Atemzug stehen im Pocket Guide sachlich schlicht unzutreffende Pauschalurteile, zum Beispiel über junge Deutsche: »Er wird sich nicht über Nacht nach Unterzeichnung des Waffenstillstands und dem Ende der Kämpfe ändern. Er wird in den Städten und Dörfern, die ihr beim Vormarsch in Deutschland hinter den Linien besetzt, nicht sofort bekehrt werden. Der deutsche Jugendliche ist ein nett aussehender Kerl, genauso wie der ganz normale Bursche, mit dem ihr daheim aufgewachsen seid. Ihr fragt euch vielleicht, wie ein Kerl, der so ziemlich genauso aussieht wie einer von uns, all die Dinge glauben und tun konnte, die er wie wir wissen, tatsächlich glaubte und tat. Der Unterschied ist in seinem Inneren zu finden – seinem Charakter.«
Diese Diskrepanz wäre wohl nur aufzuklären, wenn man den Entstehungsprozess des Pocket Guide bis ins Detail ausleuchten würde – was nach mehr als sechs Jahrzehnten und dem Tod sämtlicher an dem Text beteiligter Autoren jedoch unmöglich geworden ist. Möglicherweise deutet sich in diesem Text der massive Gegensatz innerhalb des US-Regierungsapparates an, der 1944 bis 1947 zeitweise die Besatzungspolitik zu lähmen drohte: Die Verfechter eines »harten« oder »Karthago-Friedens« standen unversöhnlich den Anhängern eines »weichen« oder »realpolitischen« Vorgehens gegenüber. Die einen wollten Deutschland so sehr schwächen, dass es nie wieder einen Krieg vom Zaune brechen würde – sie schlugen also einen machtpolitischen Weg vor.
Dieser Kurs war in der engeren Führungsmannschaft von Franklin D. Roosevelt lange populär gewesen, doch just als sein Freund und Finanzminister Henry Morgenthau ihm eine schriftliche Form gab, distanzierte sich Roosevelt im September 1944 von der Vorstellung eines »harten Friedens« – übrigens nicht zuletzt wegen der massiv negativen Resonanz auf durchgesickerte Informationen in der US-Presse. Die Alternative war dagegen, Deutschland so umzugestalten, dass seine Einwohner nie wieder in einen Krieg ziehen wollen: der innenpolitische Weg. Die meisten professionellen Deutschland-Experten im Washingtoner Außen- und Kriegsministerium vertraten diesen Kurs, ebenso die britischen Verbündeten, die ideologisch geprägter Politik ohnehin selten etwas abgewinnen konnten. Sie konnten zwar nicht verhindern, dass einzelne Vorstellungen der unterlegenen politischen Fraktion in Rahmenanweisungen für die Besatzungstruppen Eingang fanden, insbesondere in die grundlegende Weisung JCS 1067. Allerdings spielte dieser Befehl in der politischen Realität eine geringe Rolle; vor allem, weil der verantwortliche US-Befehlshaber, General Lucius D. Clay, von Anfang an entschlossen war, einen realistischeren Kurs zu fahren. Doch angesichts der Schärfe der Auseinandersetzung im US-Staatsapparat um den »richtigen« Umgang mit dem besiegten Deutschland kam es nicht wirklich überraschend, dass auch der Pocket Guide to Germany Spuren dieses Konfliktes aufwies.
Viel wichtiger für den Zweck des Pocket Guide waren ohnehin die direkten, gewissermaßen soldatischen Handlungsanweisungen: »Auf deutschem Boden wird von Euch erwartet, einheimische Gesetze und Regeln zu befolgen, sofern sie nicht von eurer eigenen Militärbehörde abgeändert oder berichtigt wurden. Einheimische Bräuche, insbesondere jene im Zusammenhang mit Religion, sind zu beachten und zu respektieren. Eigentumsrechte sind zu respektieren. Vandalismus ist unverzeihlich!« Als Grund nennt die Broschüre: »Wir möchten nicht Leute treten, die schon am Boden liegen.« Der eigentliche Kern des Pocket Guide sind die Argumentationshilfen, die den Soldaten für Gespräche mit Deutschen an die Hand gegeben werden – obwohl es an anderen Stellen wiederholt heißt, GIs sollten mit ihnen eben nicht diskutieren. Die »deutschen Aussagen« und die vorgegebenen sechs »amerikanischen Antworten« sind erstaunlich präzise und im Gegensatz zu anderen Passagen historisch korrekt – ganz gleich, ob es um die Rolle »der« Juden, »der« Freimaurer und »der« internationalen Bankiers geht oder um die angeblich übermäßig harten Bedingungen des Versailler Vertrages. Vor allem vermittelten sie ein Gefühl der argumentativen Überlegenheit, das den Soldaten soviel Selbstbewusstsein geben sollte, dass sie auf selbstverständlich jederzeit leicht mögliche Demonstrationen ihrer Macht verzichten konnten.
Der Pocket Guide to Germany des US-Kriegsministeriums war nicht einzigartig. Im November 1944 brachte der britische Generalstab eine ähnliche Informationsbroschüre bei den Soldaten der Invasionstruppen unter Feldmarschall Montgomery in Umlauf. Die schlicht »Germany« genannte kleinformatige Broschüre hat 64 Seiten und ist auch abgesehen von diesem größeren Umfang deutlich ausführlicher als das amerikanische Pendant. Offenbar hat die zeithistorische Forschung dieses Dokument bisher weitgehend übersehen; jedenfalls ist keine wissenschaftliche Analyse des Textes bekannt – und daher leider auch kein ausführlicher Vergleich der beiden Texte insbesondere im Hinblick auf die Deutschlandbilder und die Auswirkungen auf die Besatzungspolitik in den beiden von Briten und Amerikanern besetzten Zonen Deutschlands.
Als Kolonialnation mit Jahrhunderte zurückreichender Tradition fiel es den Briten offenbar leichter, einen solchen Leitfaden für die Besatzungspolitik zu verfassen. So ist der Anteil an teilweise auf den ersten Blick einsichtigen grundsätzlichen Handlungsweisungen geringer, zudem finden sie sich erst weit hinten in der Broschüre. Sie sind auch weit weniger moralisch aufgeladen: »Bedenkt, dass Ihr Repräsentanten des British Commonwealth seid!« oder: »Seid fest und fair bei allen Beschäftigungen mit Deutschen!« Viel größeren Wert als ihre amerikanischen Alliierten legten die Briten auf die Schilderung der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges und damit auf die Gründe für die Ende 1944 absehbar bevorstehende Besetzung Deutschlands: Immerhin 17 Seiten sind diesem Thema gewidmet, im Vergleich zu nur acht im US-Pocket Guide. Trotzdem wird deutlich, dass die amerikanische Broschüre den Briten bei der Konzeption ihres Textes vorgelegen haben muss: Es finden sich zahlreiche praktische Themen in ähnlicher Form angeschnitten; so nahe liegende wie ein Abschnitt über Heirat mit deutschen Frauen wie etwas ferner liegende wie die vermeintlichen oder tatsächlichen Ansichten »normaler Deutscher« über die Briten. »Wenn wir die extremen Nazi-Ideen außen vor lassen, ist der normale deutsche Blick auf uns Briten etwa so: Die Briten arbeiten nicht so hart wie die Deutschen oder nehmen ihre Arbeit nicht so ernst. Die Briten organisieren nicht so gut wie die Deutschen. (In Wirklichkeit tendieren die Deutschen dazu, übermäßig zu organisieren; der gegenwärtige Krieg zeigt, dass unsere Organisation, wenn wir sie richtig umsetzen, genauso stark ist und flexibler).« Auf diese Passagen folgt eine dialektisch sehr bemerkenswerte Wende: »Aber insgesamt bewundern die Deutschen die Briten.« Allein diese wenigen Beispiele zeigen, dass eine vergleichende Analyse der britischen und der amerikanischen Handreichung für künftige Besatzungssoldaten eine lohnende Aufgabe wäre. Den Rahmen der vorliegenden Edition hätte ein solches Vorhaben allerdings bei weitem gesprengt, weshalb sie bis auf weiteres ein Desiderat bleiben muss.
Die hier vorgelegte zweisprachige Ausgabe des Pocket Guide to Germany der US-Army soll ein bisher weitgehend unbekanntes, aber sehr lesenswertes Dokument der breiten Öffentlichkeit ohne Sprachbarriere zugänglich machen. Die Übersetzung ermöglicht es jedem Interessierten, sich den Text vollständig und schnell zu erschließen. Weil stets rechts auf jeder Doppelseite der Originaltext steht, gegenüber die Übersetzung, kann man schnell und problemlos vergleichen. Herausgeber und Verlag erhoffen sich, mit diesem Büchlein nicht nur zeithistorisch interessierte Leser auf eine spannende Quelle aufmerksam machen zu können, sondern auch Lehrern und ihren Schülern eine ungewöhnliche Perspektive im Englisch- oder Geschichts-Unterricht eröffnen zu können. Selbstverständlich richtet sich dieser Band auch an amerikanische Touristen, die Deutschland besuchen und mit Hilfe dieses Bandes ihre eigenen Erfahrungen vergleichen können mit denen, die ihre Vorfahren vor mehr als sechzig Jahren machten. Diese Mehrdimensionalität der Quelle hat uns von Anfang an fasziniert; wir hoffen, ihr gerecht geworden zu sein. Wir haben uns gleichzeitig dagegen entschieden, eine – wesentlich aufwendigere – im Einzelnen kommentierte Ausgabe zu veröffentlichen, weil der Text in seiner mitunter rührenden Naivität auch ohne exakte Ausleuchtung aller zeithistorischen Umstände und ohne Korrektur vieler heute natürlich nicht mehr haltbaren Interpretationen angemessen wirkt. Selbstverständlich ist der Pocket Guide nur als Produkt seiner Zeit zu verstehen, zum Beispiel aus der Widersprüchlichkeit der offiziellen US-Planungen für das künftig besetzte Deutschland im Sommer und Herbst 1944. Eine tiefer greifende Analyse hätte dagegen umfassende Archivstudien in Washington erfordert, die jenseits der steuerfinanzierten Forschung schlicht unmöglich sind. Für wichtiger als das haben wir es gehalten, dass dieses Dokument endlich in einer der Sache angemessenen Form über den Buchhandel allgemein zugänglich wird. Denn im Grunde war der Pocket Guide bis 2004 weitestgehend vergessen. Seither sind eine sehr schöne und beinahe originalgetreue Reproduktion des Exemplars aus den Beständen des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik in Bonn und ein qualitativ enttäuschender Reprint eines kleinen US-Verlages erschienen; inzwischen ist auch im Internet ein schlechter Scan des Originals verfügbar. Angesichts all dessen hat es der Herausgeber für angemessen gehalten, eine zweisprachige Ausgabe zu wagen. Zu danken ist dafür den beiden Übersetzern Petra Dubilski und Gene Zbikowski, Andrea Wieshuber (München) für die unverzichtbare kritische Durchsicht der Übersetzungen in beide Richtungen, Norman Bösch und Tanja Zanolli für die verlegerische Betreuung, dem ganzen Team der Berlin Story und natürlich vor allem Wieland Giebel, der sich für das Projekt sofort begeistern konnte.
Das Wiederlesen des Pocket Guide to Germany erscheint heute besonders aktuell. Denn der Führer für die GIs von 1944 dokumentiert den unbedingten Willen, besiegte Gegner menschenwürdig zu behandeln – und zwar gleichermaßen aus Achtung vor den Verlierern als auch aus Respekt vor den Werten der eigenen Gesellschaft. Übrigens selbst dann, wenn sich Menschen ihrerseits gerade nicht oder jedenfalls häufig nicht an die Regeln eines korrekten Umgangs miteinander gehalten haben– in der Politik ebenso wie im Krieg. Erfolg aber kann die Stiftung von Demokratie in bisher diktatorischen Ländern nur haben, wenn wirkliche Gerechtigkeit und nicht Rache, Religion oder andere Motive das Ziel der Besatzungsmacht ist. Dieser weise, Frieden schaffende Grundsatz ist in Zeiten der asymmetrischen Kriegsführung gegen den internationalen Terrorismus offensichtlich mitunter in Vergessenheit geraten, was nicht wenig beigetragen haben dürfte zu den politischen Problemen unserer Gegenwart. |