Neue Synagoge - Centrum JudaicumAuch die jüdische Gemeinde war mit dem Bevölkerungsschub in der Spandauer Vorstadt Anfang des 19. Jahrhunderts größer geworden. 1846 zählte sie 7000 Mitglieder. Ihre alte Gemeindesynagoge in der Heidereutergasse aus dem Jahr 1714 war zu klein geworden. Zudem befand sich dieses Haus noch innerhalb der Grenzen der alten Festungsstadt, so daß Gemeindeglieder aus den neuen nördlichen Stadtgebieten weite Wege zurücklegen mußten, wenn sie den Gottesdienst besuchen wollten. Sie wünschten sich eine neue Synagoge.
Die Kuppelkonstruktion wurde damals in modernster Bautechnik von Bauingenieur Johann Wilhelm Schwedler errichtet. Schwedler entwickelte ein leichtes Tragwerk, dessen Eisenrippen gitterartig angeordnet und mit einer Holzschalung und Zinkblech verkleidet waren. Für das Mauerwerk der Synagoge wurden rote, gelbe und weiße Ziegel verwendet, so daß die Fassade zur Straßenseite hin lebendig und abwechslungsreich wirkt. Flankiert wird die große Dachkuppel von zwei Türmen, die in die Hauszeile eingelassen sind. Sie tragen jeweils eine kleinere Kuppel mit goldenen Rippen.
Der eigentliche Synagogenhauptraum befand sich hinter der Fassadenfront im Inneren des Gebäudekomplexes: ein nach Norden ausgerichtetes großes Langhaus mit jeweils einer
Die Synagoge in der Oranienburger Straße war ein Zentrum des liberalen, reformierten Judentums. Hier wurde der Gottesdienst nach dem sogenannten neuen Ritus gefeiert. Das bedeutete zum Beispiel, daß beim Gottesdienst auch Orgel gespielt wurde, was im traditionellen Gottesdienst nach orthodoxem Ritus nicht üblich war und dort bis heute nicht praktiziert wird. Gerade an der Frage des neuen Ritus entzündete sich damals ein erbitterter Streit. Die Liberalen wollten anfangs lediglich den Gottesdienst verständlicher gestalten, weshalb sie ihn – bislang zum bedeutend überwiegenden Teil auf Hebräisch abgehalten – mit einigen deutschsprachigen Passagen ergänzten. Auch wollten sie den Gottesdienst künstlerisch gefälliger arrangieren, weshalb ein vierstimmiger Chor-Gesang in den Ablauf eingeplant wurde. Aus anfangs kleinen Veränderungen wurden bald schon große. Die Neue Synagoge erhielt nicht irgendeine Orgel, sondern die drittgrößte der Stadt. 1910 wurde sie durch eine neue Orgel der Firma E.F.Walcker ersetzt. Es war die größte Orgel aller Synagogen in Deutschland. |
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