Vorwort
Kirchen prägen das Berliner Stadtbild, ihre Fassaden und Türme geben manchem Platz oder Straßenzug sein charakteristisches Aussehen. Und einige der Gotteshäuser – wie die Gedächtniskirche, der Berliner Dom, die Neue Synagoge oder die Kathedrale St. Hedwig – sind weit über die Stadt hinaus bekannt. Häufig verbinden sich mit Kirchenbauten auch Ereignisse, die tief in die Stadtgeschichte zurückreichen. So ist die Beschäftigung mit Kirchen doppelt interessant, sowohl hinsichtlich der geistlichen als auch der weltlichen Vergangenheit.
461 evangelische und 112 katholische Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser gibt es in Berlin. Hinzu kommen nochmals 353 Bet- und Andachtsstätten anderer Religionsgemeinschaften, Moscheen, Tempel und Synagogen. Sie alle in einem Buch aufzuführen, wäre höchstens in Form eines Nachschlagewerks in knappen Stichwörtern denkbar. Dieses Buch hingegen stellt ausgewählte Kirchen Berlins und Potsdams, ihre Geschichte und Bedeutung dar: solche, die in der Stadt- und Kirchengeschichte eine herausragende Rolle spielten, deren Architektur oder Kunstschätze eine Epoche besonders anschaulich machen, oder deren Gemeinden eine außergewöhnliche Vergangenheit oder Zukunft haben.
Berlin gilt als stark atheistisch geprägt. Ganz allgemein darf man dieser Feststellung getrost zustimmen. Doch ist Berlin eine weltoffene, kulturell vielschichtige Stadt mit außergewöhnlicher Vielfalt auch des religiösen Lebens. Neben den großen christlichen Konfessionen und einer aktiven Jüdischen Gemeinde finden sich weitere mehrere Dutzend Religionsgemeinschaften von A wie Afrikanische Ökumenische Kirche bis Z wie Zen-Vereinigung Berlin. Doch ist dies nicht immer offensichtlich. Mit über 200 000 Muslimen überwiegend türkischer Herkunft ist der Islam in Berlin die drittgrößte Religionsgemeinschaft, aber die meisten Berliner Moscheen sind versteckt in mehr oder weniger provisorischen Räumen in Hinterhöfen untergebracht. Wenn auch Kuppeldächer oder Minarette wie bei der Ahmadiyya-Moschee in Wilmersdorf oder der Sehitlik Moschee in Neukölln noch seltene Ausnahmen sind: Die Vielfalt ist präsent in Leben und Glauben von Berlinern aller Konfessionen. |