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Kaiserhöfe
ISBN 978-3-86855-001-6
erschienen August 2008

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Bankhaus und Kaiserhöfe

Genau genommen ist der Beginn der Geschichte der späteren Kaiserhöfe auf das Jahr 1909 datiert. Damals hielten es einflussreiche preußische Bankiers für dringend geboten, im Herzen Berlins ein repräsentatives Bankhaus zu errichten. Bereits ein Jahr später rückten die Baukolonnen an. Die Architekten Gronau & Graul – später stiegen noch die Architekten Bielenberg & Moser zusätzlich mit ein – hatten ein stattliches Gebäude im spätwilhelminischen Stil eines Kontorhauses entworfen. Seine Adresse: Unter den Linden 26. Auftraggeber waren die Direktoren der Preußischen Central-Bodenkredit AG.

Das namhafte Geldinstitut war seinem ehrgeizigen Ziel näher gerückt, sich unmittelbar im politischen und gesellschaftlichen Zentrum der Reichshauptstadt zu präsentieren. Das Gebäude sollte nicht zu protzig ausfallen, dennoch von eindrucksvoller Solidität sein. Kurz, ein Haus sollte entstehen, das Bestand hat und Vertrauen schafft. Stabilität und Zuverlässigkeit, die die Geschäfte im Innern prägten, sollten sich auch im äußeren Erscheinungsbild ausdrücken. An der Fassade ist dieses Credo der Bauherrn von damals noch heute abzulesen. So entstand eine ursprünglich fünfgeschossige Anlage mit rustiziertem Sockel, drei durch korinthische Kolossalpilaster zusammengefassten Hauptgeschossen und einem zurückgesetzten Attikageschoss mit Ladenlokal im Erdgeschoss. Stuck und Säulen an den Außenwänden und die mit Muschelkalk verblendete Fassade wurden zu Sinnbildern dessen, was zu dieser Zeit unter einer „vornehmen Adresse“ zu verstehen war. Auftrag erfüllt!

Das Innere dominierte die große Kassenhalle mit dem Ausgang zum Prachtboulevard. Das war ausdrücklich so gewollt. Obwohl das Bankhaus großzügig bis zur Mittelstraße hin angelegt wurde, sollte die Kundschaft die Geschäftsräume von den viel prominenteren „Linden“ aus betreten können. (…)

Fast zeitgleich – nämlich von 1912 bis 1913 ließ die Daimler-Motoren-Gesellschaft ihre Repräsentanz – das so genannte Mercedes-Haus – an Berlins wichtigstem Boulevard errichten, das 1926 aber wieder aufgegeben und von den benachbarten Bankiers übernommen wurde. Beide Gebäude – Bankhaus und Autosalon – wuchsen so zu einem Ensemble zusammen.


Für den Daimler-Neubau wurde eine fünfgeschossige Sandsteinfassade mit Sockelzone und Attikageschoss gewählt, die sich zu einem strengen Neoklassizismus verbinden. Als oberen Abschluss hatten die Baumeister Alfred Klingenberg und Fritz Beyer, von denen die Pläne stammen, einen mit Greifen und Ranken geschmückten Relieffries ziehen lassen. Ursprünglich erhob sich über dem Attikageschoss ein Giebel mit vier antikisierenden Standfiguren. Erhalten geblieben sind zwei über den Fenstern des ersten Obergeschosses in die Wandflächen eingelassene Reliefplatten mit symbolischen Darstellungen der Betätigungsfelder der Firma Daimler in der Auto- und Flugzeugindustrie. Der großzügige Ausstellungsraum im Erdgeschoss bot reichlich Platz. Bis zu fünfzehn – wie es hieß – „karossierte Mercedes-Wagen“ konnten gleichzeig in ansprechender Form präsentiert werden. Die Kellerräume, die mit einem der ersten Lasten-Fahrstühle Berlins zu erreichen waren, boten Platz für Mercedes-Chassis und Flugzeugmotoren. (…)

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