mehr infos...
Kaiserhöfe
ISBN 978-3-86855-001-6
erschienen August 2008

Zum Buch...

Einführung

Wer von der Wilhelmstraße kommend Ber­lins Mitte in östlicher Richtung durchstreift, stößt überall auf die Grenzen der alten Friedrichstadt und der historischen Dorotheenstadt. Hier ist Geschichte greifbar, die Geschichte der preußischen Könige und deutschen Kaiser. Dabei war es der russische Zar Nikolaus I., der 1837 diesem Teil der aufstrebenden Stadt zu einer besonderen Bedeutung verhalf. Er kaufte das Palais Unter den Linden 7, das bereits 1764 für die Prinzessin Amalie, die jüngere Schwester Friedrichs des Großen, errichtet worden war. Fortan diente das Gebäude als russische Gesandtschaft. Der Boulevard Unter den Linden gewann mehr und mehr an Bedeutung. Ob vom Brandenburger Tor bis zur Schlossbrücke gen Osten, bis zur Spree im Norden oder gegen die heutige Behrenstraße im Süden – das gesamte Quartier wurde in der Folgezeit zu einer Ansammlung prächtiger Bauten, die das neue Selbstbewusstsein und die Machtansprüche der jeweiligen Bauherrn und Hausbesitzer, darunter auch zahlreiche Unternehmer, ausdrückten. Nur wenige Gebäude aus dieser Zeit blieben im Zweiten Weltkrieg vom Bomben- und Granatenhagel verschont. Waren zu Beginn des Krieges 1939 dreißig palastähnliche Bauten entlang der Linden-Promenade zu bestaunen, sind davon heute nur acht geblieben.


Doch diese Überbleibsel sind mehr als nur stattliche Zeugen der Kunst von Baumeistern aus früherer Zeit. Sie haben auch einen starken historischen Bezug – vor allem zum Haus der Hohenzollern, jenes Adelsgeschlechts, das das Erscheinungsbild der deutschen Hauptstadt über die Jahrhunderte entscheidend prägte. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise die einstige Kaisergalerie – auch unter dem Namen Kaiserpassagen bekannt – an der Ecke Friedrich- und Behrenstraße zu nennen, auf deren Grund sich heute das Hotel Westin Grand befindet, der Zollernhof – heute ZDF-Studio – und als besonderes Juwel das Gebäude Unter den Linden 26-30, im vergangenen Jahrhundert als Mercedes- oder auch Daimler-Haus bekannt und Teil der heutigen Kaiserhöfe.


Es war Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als der Automobilbauer Gottlieb Daimler am Boulevard Unter den Linden 28-30 auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II. einen Autosalon eröffnete. Da Majestät starkes Interesse an neuesten Errungenschaften moderner Technik hegte, wurde er bis zum Ersten Weltkrieg 1914 quasi zum Stammgast des noblen Autohauses. In Nachbarschaft zur Niederlassung des in Stuttgart beheimateten Unternehmens gönnte sich auch die Auto Union AG (Audi) einen großen Salon für ihre Fahrzeuge. Später kam dann noch der Salon des französischen Autobauers der Citroën AG hinzu – und zwar mit der Adresse Unter den Linden 26-30.


Ihren heutigen Namen „Kaiserhöfe“ verdankt die neu geschaffene Passage zwischen Unter den Linden und Mittelstraße eben dieser Vorliebe des letzten deutschen Kaisers für die moderne Automobiltechnik, die Wilhelm II. häufig in die Geschäftsräume der Daimler-Motorengesellschaft führte. Angesichts der häufigen Visiten des Kaisers im Auto-Salon Unter den Linden lag es nahe, dass sich auch gehobene Gastronomie in dem geräumigen Doppelgebäude ansiedelte. Das weit über Preußens Grenzen hinweg bekannte Weinhaus Dressel eröffnete folgerichtig ein Restaurant, das über einen Zugang zur Mittelstraße hin verfügte. Doch auch von den „Linden“ führte ein Durchgang am Auto-Salon vorbei direkt zum „Dressel“, wie das Lokal bald salopp genannt wurde.
Inzwischen sind die Kaiserhöfe wieder zu einer ersten Adresse der Stadt geworden. Das Ensemble wurde zwischen 2006 und 2008 von den deutsch-spanischen Investoren der Chamartín/Meermann-Gruppe zu einem Juwel an der Prachtstraße Unter den Linden geschliffen. Vergangenheit und Zukunft sind eine architektonische Synthese eingegangen. Unter großen Anstrengungen und mit viel Phantasie ist es gelungen, diese Einheit herzustellen. So findet sich in den Höfen moderne Kunst neben historischen Kleinoden, die prachtvolle Büste von Kaiser Wilhelm II. verträgt sich gut mit Pop-Art Bildern der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Nichts stört sich gegenseitig, alles scheint wie von Zauberhand zu einer Einheit verschmolzen.


Ganz in diesem Sinne und mit diesem Anliegen hatte der Initiator der Kaiserhöfe-Passage, der Kunstliebhaber und Projektentwickler Heinz H. Meermann, Fachleute und Gewerke beauftragt, aus der weit verzweigten Anlage einen neuen Anziehungspunkt für Berliner und Touristen zu schaffen. Das ist den Architekten Rüthnick und Kampmann gelungen, das Ensemble ist aus dem Dornröschenschlaf erweckt und in der Gegenwart angekommen. Den Weg dorthin während der Planungs- und Bauphase und aus Sicht des Denkmalschutzes erläutern Architektin Elisabeth Rüth­nick und Norbert Heuler vom Landesdenkmalamt in ihren Beiträgen im Architektur-Anhang.

Rainer L. Hein

Ihr Warenkorb

WarenkorbSie haben noch keine Artikel im » Warenkorb

Toptitel

vorschau_katalog_fruehjahr2012

Der aktuelle Katalog interaktiv oder als PDF-Download.

Lust auf Berlin Bücher?

Wandeln Sie mit uns durch die Geschichte Berlins. Atmen Sie die Luft der 20er Jahre! Lauschen Sie den Gesprächen am Hofe Friedrich des Großen! Sehen Sie Ihren Kiez mit anderen Augen!
Wir haben die Bücher für Ihr Lesevergnügen.