Ein Wegweiser durch die Stadt
ISBN 978-3-929829-28-0erschienen September 2005 Zum Buch...
Der Bubikopf»Als Neuestes kam vom Ausland her der Bubenkopf zu uns... Man schneidet ringsum die Haare ab, wie sie früher kleine Knaben trugen«. So informierte die Berliner Lifestyl-Zeitschrift »Elegante Welt« 1920 ihre Leserinnen über den frechen Haarschnitt, der geradezu zum Synonym für die »Neue Frau« der Zwanziger Jahre wurde. Die englische Tänzerin Irene Castle war 1915 die erste, die es wagte, sich einen Bubikopf schneiden zu lassen und damit über europäische und amerikanische Kabarettbühnen zu tingeln.
In Paris griff die Modeschöpferin Choco Chanel den neuen Look auf, der so frech mit allem zuvor Dagewesenen in der weiblichen Frisurenmode brach. Auch die Tänzerin Isadora Duncan machte ihn populär, und Asta Nielsen trat 1921 in dem Film »Hamlet« mit der jungenhaften Ponyfrisur auf. War der Bubikopf anfangs eine Sensation, ja ein Skandal, so war sein Siegeszug schon bald nicht mehr aufzuhalten. »Schneid´ dir ab den alten Zopf - schneid´ dir einen Bubikopf« lautete der fröhliche Slogan. Kleine Ladenmädchen und Sektretärinnen trugen ihn ebenso wie neureiche Gattinnen oder umjubelte Filmstars.
Glatt oder gewellt, von kleinen Hüten bekrönt, passte der weibliche Kurzhaarschnitt optimal zur schmalen Silhouette der Kleidermode, er symbolisierte Jugendlichkeit, Beweglichkeit, Modernität und Emanzipation, und nicht zuletzt war er unschlagbar praktisch. Das erkannte auch der Schriftsteller Heinrich Mann: »Kurze Haare durften nicht ausbleiben, nachdem die Figur der Dame knabenhaft geworden war. Hievon abgesehen lässt es sich damit besser sowohl tanzen und Sport treiben wie auch in Fabriken arbeiten«. Trocken fügte er hinzu: »Den Männern gefällt die kurze Haartracht, aber sie sind nicht gefragt worden«. Seither sind weibliche Kurzhaarschnitte aller Art aus der Damenmode nicht mehr wegzudenken, auch wenn man den klassischen Bubikopf der Zwanziger Jahre heutzutage nicht mehr so häufig auf den Straßen Berlins sieht. |
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