Die Philosophische Fakultät III - JapanologieDas Zentrum für Sprache und Kultur Japans umfaßt zwei Einrichtungen: das Institut für Japanologie in der Johannisstraße 10 und die Mori-Ogai-Gedenkstätte in der Luisenstraße 39. Die deutsche Japanologie hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Die Veröffentlichung des »Japanischen Syllabars« des Berliner Orientalisten Andreas Müller im Jahre 1703 bedeutete den Beginn der deutschen Japanwissenschaft. 1870 immatrikulierte sich der erste japanische Student an der Berliner Universität. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs studierten etwa zwei Drittel der japanischen Auslandstudenten an deutschen Universitäten, die meisten von ihnen, rund 680, in Berlin. Rudolf Lange, einer der Begründer der deutschsprachigen Japanologie, leitete das 1887 an der Friedrich-Wilhelms-Universität gegründete Seminar für Orientalische Sprachen. Auf Initiative des Chemikers Fritz Haber, Albert Einsteins und des deutschen Botschafters in Japan, Friedrich W. Solf, wurde 1926 in den Räumen des Kaiser-Wilhelm-Instituts im Stadtschloß das Japaninstitut Berlin gegründet. Zwei Jahre später folgte die Gründung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft (DJG), die bis 1945 bestand. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und der Entstehung der Achse Berlin-Tokio gewannen deutsch-japanische Freundschaftseinrichtungen besonderes politisches Gewicht. 1940 gehörte das Japaninstitut zur neugegründeten »Auslandswissenschaftlichen Fakultät« der Friedrich-Wilhelms-Universität, die Errichtung eines »Instituts für japanische Geisteskultur« war für 1941 geplant. Die Katastrophe des gemeinsam geführten Krieges bedeutete das Ende des Berliner Seminars für Orientalische Sprachen. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft wurde 1950 neu konstituiert. In ihrem Bemühen, ihre diplomatische Isolierung zu überwinden, ließ die DDR-Regierung 1984 ein Gedenkzimmer in Erinnerung an den japanischen Arzt, Schriftsteller, Übersetzer und Vermittler deutscher Literatur in Japan, Mori Ogai, einrichten, um so die Kontakte mit Japan zu befruchten. Die nach der Wende entstandene Diskussion um die Zukunft der Gedenkstätte hat Mitte der Neunziger zu dem Beschluß geführt, sie als wissenschaftliche Einrichtung der Humboldt-Universität zu erhalten und auszubauen. Zu ihrer Förderung ist eine Stiftung aus Fonds der Schering AG und des japanischen Außenministeriums gegründet worden. Das Institut für Japanologie ist Partner von zahlreichen japanischen Hochschulen in Tokio, Kobe und Kyoto; das Fachangebot umfaßt Projekte zur japanischen Geistesgeschichte des 17. bis 20. Jahrhunderts, zu japanischer Ethik, japanischer Etikette, japanischen Jahreszyklen, japanischer Filmgeschichte, japanischer historischer Terminologie und zur Zeitungssprache sowie die Einrichtung einer Ogai-Datenbank. Die Staatsbibliothek besitzt heute mit etwa 500 000 Bänden eine der großen Ostasiensammlungen weltweit. |
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