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Die Humboldt-Universität
ISBN 978-3-929829-27-3
erschienen September 2005

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Vorwort

Tradition – Umbrüche – Zukunft
Auch heute, im Zeitalter des technologischen Dogmas, wo sich Glück und Unglück der Menschheit von den Launen der Wirtschaftskonjunktur bestimmen lassen, ist ein Universitätsstudium zweifellos die Chance, sich Bildung anzueignen – Bildung als Voraussetzung für die Entfaltung der wesentlichen Ideale des freien Menschen: Wissensgier, Wahrheitsstreben und kritischer Sinn. In dieser Hinsicht ist das Humboldtsche Bildungskonzept, auf dessen Grundlage vor 200 Jahren die Berliner Universität gegründet wurde, aktuell wie eh und je.

Alle radikalen Umbrüche der deutschen Geschichte spiegeln sich in der Universität wider. Alle hat die Alma Mater weitgehend unbeschadet überlebt: die Wandlung der Friedrich-Wilhelms-Universität im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem Hort reaktionärer Ideen, an dem Nationalismus und Intoleranz grassierten; der nationalsozialistische Versuch, Deutschland die humanistische Tradition gewalttätig zu entreißen; die Errichtung einer sozialistischen Kaderschmiede in offenem Bruch mit der preußischen Tradition. Gegen all diese Angriffe behauptete die Universität ihre eigene humanistische Kraft, und mit ihr die Idee des Studiums als Selbstbewußtsein schaffende, prägende Erfahrung.

Die Gründung der Berliner Universität 1810 bildete einen neuen Abschnitt in der Universitätsentwicklung. Freiheit vom Staat und Einheit von Forschung und Lehre in der Wissenschaftspflege wurden durch die großen Denker des deutschen Idealismus durchgesetzt. Die Alma Mater Berolinensis wurde gleich Vorbild aller modernen Universitäten. Der Zielsetzung der neuen Forschungsstätte folgten beinah alle Neugründungen des 19. Jahrhunderts. Die Berliner Universität ging mit der Zeit und passte sich den Erfordernissen der industriellen Gesellschaft an. Zu ihrem 100jährigen Jubiläum 1910 war die Friedrich-Wilhelms-Universität Vorreiterin des wissenschaftlichen Fortschritts, wie die zahlreichen Nobelpreise belegten. Die Verwicklungen des 20. Jahrhunderts konnten diese Verdienste nie verdunkeln.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt sich die junge, alte Humboldt-Universität allen Facetten ihrer Vergangenheit. In zahlreichen Symposien, Ausstellungen und Publikationen beschäftigt sie sich sowohl mit den dunklen Kapiteln (60 Jahre »Generalplan Ost« 2002) als auch den glänzenden Seiten (Einstein-Jahr 2005) ihrer Geschichte. Überdies bemüht sich – in einer Zeit, in der sich der Staat mehr und mehr von seiner Verantwortung im Bereich der Hochschulbildung zurückzieht – eine Vielzahl von Instituten, Kolloquien und Fördervereinen zu verdeutlichen, daß Wissenschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und bleibt. Geschichte und Zukunft als unlösbar verschlungene Bande: die Linden-Universität auf der Suche nach ihrer Identität.

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