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Die Franzosen in Berlin 1806-1808
ISBN 978-3-929829-41-9
erschienen Oktober 2006

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Vorwort

Trostlos, hoffnungslos, ins Elend gestoßen
Am 27. Oktober 1806 verließ Napoleon gegen 15 Uhr Schloß Charlottenburg, zog am späten Nachmittag durch das Brandenburger Tor in die Stadt ein und ritt zum Schloß. Die preußische Armee hatte in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt in Thüringen eine schwere Niederlage erlitten. Das preußische Heer, siegreich unter Friedrich dem Großen, hatte sich nicht weiterentwickelt. Napoleons Truppen dagegen waren modern, flexibel, und sie fühlten sich dem Gegner moralisch überlegen. Napoleon führte keinen Kabinettkrieg, bei dem abends die Flöte herausgeholt und mit der Kapelle konzertiert wurde, seine Feldzüge waren von rücksichtsloser Härte. Vom zweiten bis achten Dezember 1806 wurde die Quadriga vom Brandenburger Tor geholt. Das Ausmaß der amtlichen (quittierten) und privaten Kunstdiebstähle war erheblich. Berlin wurde geplündert. Die Lage der Stadt erschien den 180.000 Einwohnern trostlos und hoffnungslos. Der König und die Königin waren mit Kindern, Familie und Hofstatt längst gen Memel geflüchtet. In diesem Buch geht es darum, was sich genau in Berlin abgespielt hat, solange die Franzosen die Stadt besetzt hielten.


Was erwartet Sie in diesem Buch?
Der erste Hauptteil besteht aus einem ausführlichen Bericht, den Hermann Granier im Hohenzollernjahrbuch 1905 veröffentlicht hat. Die Hohenzollernjahrbücher gelten bis heute als eine der solidesten geschichtlichen Quellen. Mehr dazu hinten in »Die Hohenzollern-Jahrbücher«. Auch die beiden nächsten Beiträge über die Flucht der Königskinder nach Memel aus der Feder von Friedrich Wilhelm (IV.) als Kind sowie das kurze Kriegstagebuch von Louis-Ferdinand stammen aus diesem Hohenzollern-Jahrbuch. Louis-Ferdinand fiel am 10. Oktober 1806. Sein Tod löste Entsetzen in Berlin aus. Sein Sarkophag steht im Berliner Dom. Die 27 Berichte über die Jahre von Ende 1806 bis 1808 stammen aus einer umfangreichen Veröffentlichung über das »Berliner Leben« aus dem Jahr 1954 (Rütten & Loening), in der Ruth Köhler und Wolfgang Richter die hervorragend gesammelten historischen Quellen leider aus SED-Sicht kommentieren mußten. Der »planmäßige Aufbau des Sozialismus« war ja in der DDR gerade auf der zweiten Parteikonferenz beschlossen worden. Das reine Quellenmaterial wollten wir unbedingt zur Verfügung stellen.

Nach unserem Wissen ist der handschriftliche Bericht von Kammerdiener Tamanti noch nie veröffentlicht worden. Tamanti begleitete Napoleon durch Potsdam. Er war dazu von Friedrich-Wilhelm III. angewiesen worden, dem Gatten von Königin Luise, dessen Kammerherr Tamanti im (Stadt-) Schloß in Potsdam war. Wir erfahren wie aus keiner anderen Schilderung, was Napoleon Tag für Tag, Stunde für Stunde unternahm und wie er sich zu seinen Leuten und zu den Deutschen verhielt. Wie Napoleon sich feiern ließ, wie er als sein eigener Marketingstratege fungierte, beschreibt der Beitrag von Helmut Caspar über Münzen und Medaillen.

Wieland Giebel

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