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100 Jahre Landgemeinde Nikolassee

Bilder aus den Anfängen der Villenkolonie

ISBN 978-3-86855-027-6
erschienen Dezember 2009

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Vorwort

Am 7. März 2010 jährt sich zum hundertsten Mal der Tag, an dem in Wilhelmshaven »Des Königs Majestät mittels Allerhöchsten Erlasses zu genehmigen geruht haben«, dass aus der im Kreis Teltow gelegenen Kolonie Nikolassee eine Landgemeinde gebildet wird. Dies ist der Anlass, der Frühzeit Nikolassees im Heimatmuseum Zehlendorf im ersten Halbjahr 2010 eine Ausstellung zu widmen und das vorliegende Buch herauszugeben.

Die Villenkolonie war im Jahr 1901 von der Heimstätten-Aktien-Gesellschaft (HAG) gegründet worden. Sie hatte zuerst den Status einer Kolonie und dann vom 1. April 1910 an den einer Landgemeinde im Kreis Teltow. Seit 1920 gehört sie zum Ortsteil Nikolassee des Berliner Bezirks Zehlendorf bzw. heute des Bezirks Steglitz-Zehlendorf.

Die Pläne zur Anlage der Kolonie entwarfen die Berliner Stadtplaner Joseph Brix und Felix Genzmer. Die einzelnen Bauten wurden zu einem großen Teil von der HAG erstellt, die eine eigene Architekturabteilung sowie ein eigenes Baubüro unterhielt und im Jahre 1900 im Hinblick auf die Bebauung ihrer Koloniegründungen einen Architekturwettbewerb durchgeführt hatte. Zusätzlich entstanden in Nikolassee aber auch zahlreiche Bauten nach Entwürfen von Architekten, die von den Grundstückskäufern selbst beauftragt worden waren.

Ein großer Eingriff in die Struktur der Villenkolonie war Ende der 1930er Jahre der Bau des Avuszubringers quer durch die Siedlung. Er wurde 1940-41 als Verbindung der Avus mit dem Berliner (Autobahn-)Ring in Betrieb genommen. Für seinen Bau mussten in der Borussenstraße und der Alemannenstraße sowie im Bereich des Zehlendorfer Kleeblatts Häuser abgerissen werden. Dem folgten Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und mehr noch danach, als historische Bausubstanz Neubauten weichen musste. Inzwischen wird über den Denkmalschutz versucht, wertvolle Bauten zu erhalten. Der Beschluss des Senators für Bau- und Wohnungswesen von 1982, auch die das Orts- oder das Landschaftsbild prägenden baulichen Anlagen eines Großteils der Villenkolonie vor Abriss oder Umbau durch eine Erhaltungssatzung zu schützen, ist allerdings bis jetzt noch nicht in geltendes Recht umgesetzt worden.

Die Villenkolonie gehört heute mit ihren markanten Wahrzeichen, dem Empfangsgebäude des Bahnhofs Nikolassee und der Villa Rosenburg, aber trotz aller Verluste immer noch zu den schönsten Siedlungen Berlins mit einer großen Zahl sehenswerter Bauten. Eine Künstlerkolonie, wie sie Richard Friedenthal 1977 in dem oft zitierten Gespräch mit Eckart Muthesius genannt hat, ist sie allerdings nie gewesen. Hier siedelten vorrangig Kaufleute, Fabrikanten, Wissenschaftler, höhere Beamte und Rentiers.

Das vorliegende Buch dokumentiert die Anfänge der Villenkolonie. Nach einer Einführung in die Ortsgeschichte der ersten 40 Jahre werden im Bildtafelteil historische Ansichten von mehr als 100 – zum Teil auch nicht mehr vorhandenen – Nikolasseer Bauten in der Regel in chronologischer Reihenfolge vorgestellt. Für einen Teil dieser Bauten enthält das Kapitel »Erläuterungen und Ergänzungen« zusätzlich zeitgenössische Innenansichten, Grundrisse, Lagepläne und Baubeschreibungen.

Dank gebührt Haila Ochs für den anregenden Austausch über die Nikolasseer Baugeschichte und ihre konstruktive Kritik, mit der sie die Erstellung des vorliegenden Buches begleitet und dabei auch ihr vielfältiges Wissen aus ihrer Arbeit für die demnächst erscheinende Denkmaltopographie Zehlendorf eingebracht hat, dem Landesdenkmalamt Berlin, das die Nutzung von baugeschichtlichen Erfassungsunterlagen und Bildmaterial gestattete, sowie dem Bauhaus-Archiv Berlin, dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dem Heimatverein Zehlendorf, der Firma Howard Digital Toledo, Ohio, dem Landesarchiv Berlin und dem Zentrum für Berlin-Studien der Zentral- und Landesbibliothek Berlin für die Bereitstellung von Bildvorlagen.

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