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St. Petri-Kirche

Ein Rundgang durch das historische Cölln in Berlin

ISBN 978-3-929829-87-7
erschienen Januar 2008

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Der bisherige Forschungsstand

Ein beiden Ausgrabungen im April 2007 gefundenes Straßenschild

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind sich die Berlin-Forscher im Allgemeinen einig, dass die Erhebung Berlins und Cöllns zu Städten um 1230 erfolgt sein muss. Auch wird davon ausgegangen,
dass beide Städte von den Markgrafen Johann I. und Otto III. gegründet bzw. zur Stadt erhoben wurden. Quelle hierfür ist die sächsische Fürstenchronik.

Die ersten archäologischen Arbeiten im Stadtkern von Cölln begannen 1960 in der Petristraße 31/32. Es folgten Grabungen am Fischmarkt 1961. Auch auf der Berliner Seite wurden innerhalb
der Nikolaikirche umfangreiche Ausgrabungen betrieben, die bei früheren Untersuchungen an der Petrikirche wichtige Vergleichsdaten lieferten. Alle Grabungen bezeugten eine lange Besiedlungsgeschichte, die ältesten Fundstücke waren Fragmente von Grauwaren, der typischen mittelalterlichen Keramik in Berlin. Die gern vermuteten slawischen Ursprünge der Siedlungen
ließen sich hingegen nicht nachweisen.

Bereits 1967 wurden unter der Leitung von Heinz Seyer Ausgrabungen auf dem Petriplatz durchgeführt. Grund für die Maßnahmen war die Planung, den Petriplatz in den Wiederaufbau
des Stadtzentrums einzubeziehen. Seyer legte drei Grabungsschnitte an.

Dr. Seyer und Frau Melisch bei einer Grabungsführung im Oktober 2007

Im Ergebnis konnte deutlich belegt werden, dass die Bauten im barocken und im neugotischen Stil die Überreste der älteren Vorgängerbauten weitgehend zerstört haben. Trotzdem ließen sich
die verschiedenen mittelalterlichen Bauphasen nachweisen. Die Befunde veranlassten den Ausgräber zu der Vermutung, dass der älteste Kirchbau aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammen könnte.

Von der baulichen Gestalt dieser spätromanischen Kirche sind keine Abbildungen überliefert. Ausgräber Seyer hatte die vorgefundenen Fundamente mit denen der Nikolaikirche verglichen und große Ähnlichkeiten zwischen beiden Bauten vorgefunden. Die darauf folgende Kirche wurde vermutlich an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert im frühgotischen Stil errichtet. Auch von dieser Kirche gibt es keine Abbildungen. Diese frühgotische Kirche ist die Kirche von Symeon gewesen, der 1237 genannt wird. Die Kirche selbst wird erst 1285 in einer Urkunde erwähnt.

Ab 1379 errichteten die Cöllner aus Spenden eine neue Kirche. Die Fundamente dieser dritten, 1379 in einem Ablassbrief erwähnten Kirche wurden ebenfalls gefunden, so dass Ausgräber Seyer eine lückenlose Reihe von Kirchbauten nachweisen konnte. Gleichzeitig fand er aber auch viele Bestattungen. Alle Toten waren in strenger Ost-West- Ausrichtung bestattet worden, die Köpfe lagen leicht erhöht im Westen.

Die ältesten Skelette waren von den spätromanischen Kirchenfundamenten überbaut worden. Das heißt, dass bereits vor dem Bau der ältesten Kirche an dieser Stelle Bestattungen vorgenommen wurden.

Es konnte aufgrund der kleinräumigen Eingriffe aber nicht geklärt werden, welche Teile der älteren Petrikirchen freigelegt worden waren. Dr. Seyer vermutete, dass das von ihm freigelegte Mauerwerk eine Fundamentmauer von der 1379/80 angefangenen Kirche im Bereich des Chores gewesen sein könnte.

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