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St. Petri-Kirche

Ein Rundgang durch das historische Cölln in Berlin

ISBN 978-3-929829-87-7
erschienen Januar 2008

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Vorwort

Zum Geleit

Seit dem Frühjahr 2007 wird am Petriplatz in der Mitte Berlins nach den Ursprüngen der Stadt geforscht. Archäologische Untersuchungen sollen die Erkenntnisse aus Grabungen in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts erweitern und einen möglichst vielschichtigen Blick auf diesen Bereich der Stadt liefern. Stück für Stück wird die Struktur des mittelalterlichen Zentrums mit der Kirche, dem zugehörigen Friedhof und dem Rathaus wieder ans Licht gebracht und auch längst verloren Geglaubtes, wie die Grundmauern der Lateinschule und die Fundamente von Marktbuden, der Scharren, treten zu Tage. Die Ausgrabungen ermöglichen einen der letzten derartigen Blicke in die Geschichte des Stadtzentrums von Cölln. Am Petriplatz soll auch dem tatsächlichen Alter der Stadt Cölln mit naturwissenschaftlichen Methoden nachgegangen werden.

Es ist wichtig, sich die Einzigartigkeit und Bedeutung der jetzt am Petriplatz aufgedeckten Strukturen bewusst zu machen. Seit 1995 sind mehrere große Ausgrabungen im Stadtbereich von Cölln durchgeführt worden, bei denen sich zeigte, dass die archäologische Substanz aus der Frühzeit der Besiedlung durch die seit Jahrhunderten andauernde Bautätigkeit im Stadtkern erheblich zerstört wurde.

Fundamente mehrerer Kirchbauten konnten gefunden und verschiedenen Baualtern zugeordnet werden. Es ist gesichert, dass es wenigstens fünf verschiedene Petrikirchen an dieser Stelle gab. Der älteste bekannte Bau ist vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet worden. Dieser Kirche folgte noch im 13. Jahrhundert eine frühgotische Kirche.

1379 begannen die Arbeiten für die spätgotische Petrikirche, die ab 1726 renoviert und mit einem neuen Turm versehen wurde. Der Turm und die Kirche wurden durch Blitzschlag 1730 zerstört. Zwischen 1730 und 1734 wurde die Kirche im barocken Stil wieder aufgebaut, 1734 stürzte der Turm ein und zerstörte dabei die bereits 1733 fertiggestellte Kirche. Die Kirche wurde ohne Turm im barocken Stil wieder aufgebaut. Nach einem Brand 1809 lag das Grundstück für Jahrzehnte brach, erst 1846 bis 1853 errichtete Johann Heinrich Strack eine neugotische Kirche. Sie überstand die schweren Bombenangriffe am Ende des Zweiten Weltkriegs relativ unbeschadet, wurde aber in den letzten Kriegstagen beschossen und in Brand gesteckt.

Die St. Petri-Kirche ist wie zahlreiche andere Kirchen in der Berliner Innenstadt auf Beschluss des Magistrats von Groß-Berlin von 1960 bis 1964 abgerissen worden.
Die aktuellen Grabungen werden hier erstmals vorgestellt. Die entsprechenden Abschnitte wurden von der leitenden Archäologin Claudia M. Melisch verfasst. Ein Interview mit dem jetzigen Pfarrer der Gemeinde, Peter Reichmayr, soll die jüngere Geschichte der Kirche beleuchten.

Zusätzlich soll aber auch das alte Cölln zum Leben erweckt werden. Die Straßen, Gebäude und Brücken des alten Cöllns haben ihre eigenen Geschichten, die eng verwoben sind mit bekannten und weniger bekannten Personen, die hier beispielhaft vorgestellt werden.
Berlin ist aus den mittelalterlichen Städten Cölln und Berlin entstanden. Von letzterer hat die Hauptstadt ihren Namen übernommen.

Cölln und Berlin waren rechtlich eigenständige Städte. Schon im Mittelalter hatte man zeitweilig einen gemeinsamen Rat, der auf der Langen Brücke (heute Rathausbrücke) zwischen beiden Städten seinen Sitz hatte.

1709 wurden die Städte Cölln, Berlin, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Residenzstadt Berlin vereinigt. Auf Berliner Seite vermitteln das Nikolaiviertel, die Marienkirche und die kürzlich restaurierte Heilig-Geist-Kapelle noch eine Ahnung der Gestalt und Erstreckung der mittelalterlichen Schwesterstadt. Das Stadtgebiet von Cölln lag südlich der Spree und wurde durch Spree und den heutigen Kupfergraben begrenzt.

Hauptachse war die Gertraudenstraße zwischen dem Mühlendamm und dem Teltower oder Gertraudentor mit seiner platzartigen Erweiterung bis hin zur Scharrenstraße. Bis 1899 war das Stadtzentrum von Cölln durch das Rathaus und durch die Petrikirche definiert. Am Cöllnischen Rathaus traf die Gertraudenstraße rechtwinklig auf die Breite Straße, die ab dem 15. Jahrhundert zum Schloss führte. Nach dem Abriss des Rathauses stand die Petrikirche als einzige historische Zeugin inmitten der Gertraudenstraße.

Das mittelalterliche Cölln ist heute nicht mehr durch Bauten präsent. Wenn man, von Nordosten kommend, den Mühlendamm passiert, oder, von Süden kommend, die Gertraudenbrücke überquert, weist nichts mehr darauf hin, dass man sich im Zentrum einer mittelalterlichen Stadt befindet.

Bei zahlreichen Gesprächen und Grabungsführungen wurde oft der Wunsch nach einer kurzen, allgemein verständlichen Zusammenfassung der mittelalterlichen Geschichte Cöllns laut, mit der man sich auf den Weg machen kann, um diese Stadt zu entdecken. Wir haben versucht, diesem Wunsch mit dem vorliegenden Stadtführer zu entsprechen.
In Abschnitten werden wir den Schilderungen Friedrich Nicolais folgen, einem der bekanntesten Bewohner Cöllns, der seine Heimatstadt bereits 1769 detailreich beschrieben hat.
Die Geschichten und Berichte laden den Leser ein, sich selbst auf einen Spaziergang durch das historische Cölln zu begeben.

Berlin im Dezember 2007 Claudia M. Melisch, Marina Wesner

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