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Soldatenkönigs Tafelfreuden

Die Tafelkultur am Hofe Friedrich Wilhelms I.

ISBN 978-3-86855-005-4
erschienen Januar 2009

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Wie Friedrich Wilhelm I. speiste

»Es macht eine schöne Schüssel«
– Kochen im frühen 18. Jahrhundert –

(...)

Das ganze Jahr stand Obst zum Nachtisch bereit, meist Äpfel und Birnen, im Herbst in Wusterhausen auch Trauben und Pfirsiche. Neben Obst sah der Speiseplan Mandeltorte, verschiedene Puddings und Kuchen oder gebackene Waffeln mit Kirschen vor.
Auch die Getränke erschienen einer königlichen Tafel angemessen. Bei einem Essen von etwa zwei Stunden Dauer trank man pro Person etwa eine Flasche Wein. Nach dem Essen folgte pro Person etwa eine halbe Flache Ungarwein (Tokajer). Bei den Jagddiners wurde schärfer getrunken. Vor allem die Gesandten mussten mithalten. Einen Rekord im Trinken vollbrachte der britische Baronet Stanhope († 1756). Bei dem ihm zu Ehren gegebenen Abschiedsmahl nahm er acht Flaschen Tokajer zu sich und machte der Königin danach noch seinen Anstandsbesuch.


Der König trank selten übermäßig, konnte jedoch viel vertragen. In späteren Jahren musste er aus Gesundheitsgründen den Weingenuss einschränken. Dann wurden Selters, Pyrmonter oder Karlsbader Wasser getrunken, wovon mehr als 1000 Krüge im königlichen Keller lagerten.
Friedrich Wilhelm I. galt als Weinkenner. Die ihm empfohlenen Weine kostete er selbst, sofern sie nicht von seinem Kellermeister Alberdahl, auf dessen Zunge er sich verlassen konnte, vorher probiert und für gut befunden wurden. Insgesamt bevorzugte der König milden Mosel- und Rheinwein, dazu Tokajer. Am liebsten war ihm drei Jahre alter Muskatellerwein, der aber nicht moussieren (perlen) durfte.


Die Hofkellnerei verfügte über eine reiche Auswahl an geistigen Getränken. Neben den bereits genannten Rhein- und Moselweinen kamen auch Frontignac, Neuchâteler und Tiroler Wein auf den Tisch, ebenso Rotweine wie Pontac oder Burgunder. Aber auch an Champager, Palmwein, Madeira, Arak, l’Eau Barbardos (Rum) oder Wacholderbranntwein waren vorrätig.
Das von Friedrich Wilhelm gern konsumierte Bier bezeichnete er als »ordinäres Getränk«. Dies war nicht abschätzig gemeint. Es bedeutete lediglich Alltagstrunk. Anfangs bevorzugte der König englisches, dann wandte er sich dem Genuss des schwedischen Bieres zu. Auch Bier aus Nimwegen wurde verköstigt. Später kam Ducksteiner aus dem Braunschweigischen oder auch selbstgebrautes Bier wie Broihahn aus Perleberg (Weißbier), Moll aus Köpenick oder Potsdam hinzu, welchen zum Teil schwedische Rezepte zugrunde lagen. Kriegskommissar Christoph Schietmann, der die Bierversorgung des Hofes zwischen 1724 und 1739 inne hatte, lieferte allein pro Jahr 27 Tonnen Braunbier.

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