| Allgemein | 1. Februar 2013

Auswertung unserer eBooks für das Jahr 2012


Den Buch-Verlegern wird oft vorgeworfen, sich dem Neuen zu verschließen. Die Kritik kommt vor allem von jungen Internetnutzern. Aber während sich im Internet alle paar Wochen Trends und alle paar Jahre größere Dinge ändern, ist der Buchhandel und das Verlagswesen seit Jahrzehnten bis Jahrhunderten relativ stabil. Natürlich schwingt man da nicht im Wochentakt mit neuen Trends mit. Um mal einen plakativen Vergleich zu bedienen: Vor 10 Jahren kannte niemand StudiVZ, inzwischen benutzt es niemand mehr, dazwischen war es die Nummer eins. Die Nutzung des Dudens sieht da stabiler aus.

Schnelle und langsame Trends

Nun gibt es auch im Verlagswesen Trends wie z.B. eBooks. Schon vor 15 Jahren habe ich mir auf der Cebit kiloschwere eBook-Reader angesehen und bin von ausgegangen, dass das die Zukunft ist. Inzwischen stehe ich auf der Cebit, gucke mir grammleichte eBook-Reader an und gehe von aus, dass das die Zukunft ist. Hätte ein Verlag vor 15 Jahren alle Bücher parallel als eBook angeboten, dann hätten sich viele Leute gefreut, dass er ein solcher Vorreiter ist, aber genutzt hätte es ihm nicht viel. Zu werben mit „Wir machen seit 15 Jahren eBooks“ ist kein echtes Verkaufsargument. Und bei den meisten Buchverlagen liegt das Geld nicht in Stapeln rum, dass man solche Experimente mal eben machen kann. So auch in meinem. Ich möchte gerne alle Bücher als eBooks in allen Formaten und in allen Marktplätzen (iBookstore, Kindle etc.) anbieten. Am liebsten auch als Download (als MP3, und OGG) und bezahlbar über jedes erdenkliche Zahlungssystem. Dazu die Bücher und CDs im Handel und Stationen, an denen man per USB-Anschluss die Dateien direkt auf den MP3-Player bekommt. Und natürlich alles ohne DRM. Ich meine immer noch, dass DRM eher gegen Kunden hilft als gegen unlizenzierte Kopien.
Aber all das steht in keinem Verhältnis zu dem Erlös, den man damit generieren kann.

Als ich den Verlag damals übernahm, stand für mich fest: Wir müssen schnell alle Titel als eBooks anbieten. Die Zeit ist reif, die Nachfrage steigt. Und wenn in wenigen Jahren deutlich mehr eBooks gelesen werden, dann müssen wir das Angebot haben. Doch wie ich hier bereits erklärte, ist es im Details etwas schwieriger.

eBooks in Zahlen 2012

Wir haben im Jahr 2012 rund 25 neue (gedruckte) Titel herausgegeben und 20 bereits erschienene Titel neu aufgelegt. Neun davon sind als eBook verfügbar. Eins davon auch kapitelweise, einige eBooks für 99 Cent. Wir haben mit etwa 3.000 verkauften eBooks etwa 1% des Umsatzes gemacht. In Filesharingbörsen sind nach eigenen Recherchen der gängigen Plattformen keine aufgetaucht. Der Aufwand, die eBooks umzusetzen, in die Marktplätze einstellen zu lassen usw. ist verhältnismäßig hoch. Somit haben die eBooks nur etwa 25% der Kosten, die wir durch sie haben, erlöst. Daher wird es auch nur in diesem langsamen Tempo weitergehen: Ich würde mehr in diesen Bereich investieren, wenn es mehr Kunden gäbe. So wird es wohl mehrere Jahre dauern, bis die ganze Backlist als eBook verfügbar ist. Nicht, weil ich etwas gegen Innovation habe, sondern weil ich wirtschaftlich arbeiten muss. Und warum wir die eBooks nicht einfach verschenken können, wie es sich mancher Leser wünscht, erkläre ich in diesem Blogpost.

Sieht man sich die Aufteilung unserer eBooks nach Marktplätzen an, so gibt es wenig Überraschungen:

ebook 2012 marketplaces

Amazon ist der Platzhirsch, gefolgt von Libri, libreka und iTunes. Der Kindle ist und bleibt die Nummer eins bei den normalen Nutzern. So wie als MP3-Player der iPod nicht mehr weg zu denken ist.

Bei unseren Titeln ist es (aus Sicht des Verlegers) auch nicht überraschend:

eBook Auswertung 2012 nach Titeln

Unsere Top 5 eBooks sind:

Es fällt einem auf, dass drei der Top 5 eBooks aus Klaus Behlings Feder stammen (einmal in Zusammenarbeit mit Andreas Jüttemann). Das wundert mich nicht, ist er doch immer offen für Experimente im Verlagswesen. Seine gut laufenden Bücher wurden teilweise für 99 Cent angeboten. Sein Titel „Der letzte macht das Licht aus…wurde sogar verschenkt (und um eine Spende gebeten), bis uns dieses Experiment von den Buchpreiswächtern verboten wurde.

Fazit

Somit kann man sagen: Gerade für kleine Verlage ist es noch ein langer Weg, bis sich eBooks wirtschaftlich lohnen. Aber mit dem Mut zu Experimenten und durch Autoren, die das mitmachen, kann man beachtliche (kleine) Erfolge verzeichnen. Wir machen weiter und hoffen weiterhin auf viel Feedback unserer Leser. Was sollen wir als nächstes probieren?