| Allgemein | 28. November 2012

99 Cent eBooks – Werbung oder Kulturerhalt?


Das Verlagswesen ist eine komplizierte Sache. Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, haben einen kulturpolitischen Auftrag und sind mit der Buchpreisbindung gesegnet und gebeutelt zu gleich.

Daher sind Entscheidungen über Bücher und deren Neuauflagen nie einfach. An sich sollte kein Titel vergriffen sein. Zum anderen kann man sich nicht ewig das Lager mit schwer verkäuflichen Werken vollstellen. Irgendwann muss man die Entscheidung treffen, ob Titel markuliert werden oder nicht. Doch es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, oder sagen wir mal ein Teelicht. Zur Zeit der eBooks können wir alle Titel verfügbar halten – aber eben „nur“ als eBook. Auch das Konvertieren in eBooks kostet Zeit und Geld und lohnt sich für viele Werke aus wirtschaftlicher Sicht nicht. In einem früheren Blogbeitrag habe ich die Details erklärt.

Die nächste Frage ist die nach dem Preis. Ein Buch, welches wir nicht mehr verkaufen konnten, hat entweder den Markt bereits gesättigt, der Inhalt war nicht gut, der Preis zu hoch oder das Marketing falsch. Unterm Strich haben wir nicht mehr viel dran verdient. Setzt man nun das eBook zum gleichen Preis in die Marktplätze, wäre es eher verwunderlich, wenn es ein Bestseller wird. Also versuche ich als Verleger, mit den Autoren zu sprechen und diese davon zu überzeugen, einen geringeren Preis zu nehmen. Sie verlieren dabei finanziell nicht viel: Bisher wurde das Buch gar nicht mehr verkauft, nun kann es wieder in kleinen Mengen verkauft werden. Je niedriger der Preis ist, desto höher ist die Chance, dass es sich häufig verkauft. Statt also einen geringen finanziellen Erfolg zu haben, kann man den Titel verfügbar halten und Lesern einen günstigen Zugang zu seinen Werken geben. Und dadurch auf den Autor und natürlich den Verlag aufmerksam werden.

Bei einigen der älteren Titel, die auch ohne Bildrechte auskommen, setzen wir den Preis gar auf 99 Cent. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die 99 Cent-Titel sehr gut verkaufen, die Umsätze bei den anderen eBooks dadurch aber nicht zurückgehen. Somit kann man es als eine Kombination aus Werbung und Kulturerhalt sehen und den Absatz der regulären Bücher stärken.

Neben den großen Plattformen haben wir nun die ersten Titel auf 99cent-ebooks.de eingestellt und warten gespannt auf das Ergebnis.

 

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